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STA – PO1st Suvok - Sci - Log06 – 12074.2005

BeitragVerfasst: Sa 27. Nov 2010, 19:03
von Leopold FvB
STA – PO1st Suvok - Sci - Log06 – 12074.2005

Vorkommende Personen: Tiri Yaris
Wörter: 1062

=\\//= USS Stardust | Deck 7 | Wissenschaft – Tag 22 | 20:40 Uhr =\\//=

Der insgesamt etwas über zwei Tage andauernde Ausflug auf Saros I war aus anthropologischer Sicht überaus interessant gewesen. Zwar hatte ich aufgrund meiner primären Aufgaben im Energiekomplex und später bei der Unterstützung des medizinischen Personals in der Behelfskrankenstation nicht so viel Zeit gefunden, eine umfassende Studie anzulegen und das Volk der Satyr wissenschaftlich zu analysieren, aber einige Schlussfolgerungen ließen sich auch aus den wenigen Beobachtungen ziehen, die ich neben meiner Arbeit gemacht hatte. So war zum Beispiel offensichtlich, dass die spezielle Fortpflanzungssituation dieses Volkes sich angesichts der globalen Krise von einem beneidenswert sauberen und emotionslosen Erhalt der Spezies in ein über den Satyren schwebendes Schwert des Damokles verwandelt hatte. Die technische Reproduktion mit Hilfe von Reifungskammern hatte nämlich einen entscheidenden Nachteil gegenüber der natürlichen, evolutionsbedingten Art der meisten Spezies: Sie benötigte elektrische Energie. Und genau die war aufgrund des mysteriösen Verschwindens der Hauptenergiequelle des Planeten von heute auf morgen mit einem Schlag knapp geworden. Dabei war es aus der Sicht des Forschers interessant zu sehen, wie sich die Gesellschaft vor die Frage gestellt sah, entweder die aktuelle Generation zu retten, indem man Nahrung und Medikamente erzeugte, oder die noch unfertigen Nachkommen, indem man um jeden Preis die künstliche Fortpflanzung rettete. Die offizielle Vertretung hatte sich für Ersteres entschieden, was ich in Anbetracht der zwar ungeübten, aber immerhin biologisch möglichen Alternative der körperlichen Reproduktion auch für die logischere Variante hielt, doch in den verschiedenen sozialen Schichten und Gruppierungen auf dem ganzen Planeten herrschten teilweise ganz andere Meinungen vor. Dieser Schmelztiegel an teils radikalen Ansichten, die von kollektivem Selbstmord bis hin zur Ausbeutung des halben Sektors gingen, sowie religiösen Predigern, die von der Sünde und Umkehr sprachen, da andernfalls die Götter ihr Geschenk dauerhaft entziehen würden, war – bildlich gesprochen – ein Pulverfass, dessen Lunte die Pekara darstellten.

Das auf Malgosh V heimische Volk nämlich wies erhebliche Unterschiede zu dieser Gesellschaft auf, sollte nun aber als Retter und Lenker in eine neue Zukunft fungieren. Ich hielt es für ziemlich unwahrscheinlich, dass nicht nur der Übergang sondern auch die ständige Hilfe und die andauernden, diplomatischen Beziehungen dieser Spezies ohne Komplikationen bleiben würden, doch bei günstiger Schätzung der unsicheren Variablen, konnte man durchaus auf ein Ergebnis kommen, dass die Unternehmung nicht von vornherein unlogisch erscheinen ließ. Nicht, dass es den Captain abgehalten hätte, wenn meine Analyse anders ausgefallen wäre, denn Menschen und Betazoiden neigten gleichermaßen dazu, auch enorm unwahrscheinliche Dinge zu versuchen, solange sie selbst an den positiven Ausgang zu glauben vermochten und unser Kommandant war in dieser Hinsicht keine Ausnahme, doch mich als Wissenschaftler stimmte die Tatsache, dass wir in einigen Jahren würden zurückkehren und die Früchte der heutigen Begegnung würden wachsen sehen, durchaus positiv. Die Logik gebot alleine schon, dass unendliche Vielfalt immer besser war als Uniformität oder die Wahl unter wenigen Optionen, doch in diesem Fall kam außerdem ein Punkt hinzu, der weniger mich als Forscher ansprach, sondern vielmehr den Teil von mir, der auf der Akademie der Sternenflotte gewesen war und sich für einen Soldaten hielt. Denn jede starke Rasse in diesem Quadranten, die sich ähnlichen Werten verpflichtete wie die Föderation und mit der wir uns freundlich zu stellen vermochten, war ein potentieller Verbündeter im Kampf gegen das Dominion. Diese politische Entität, deren Vorherrschaft im Gammaquadranten auch durch den Krieg ungebrochen war, war nämlich keineswegs nur ein weiterer Gegner der Föderation. Nach meinen Analysen sämtlicher Daten, die einem Unteroffizier zugänglich waren, handelte es sich bei den Jem'Hadar unter der Führung eines cleveren Gründers sogar um die gefährlichsten Feinde der Föderation, denn ihre Hingabe und absolute Loyalität sowie Perfektion war den Borg nicht unähnlich, doch sie waren in der Lage, sich durch Emotionen über das eigentliche Limit ihrer Körper hinaus zu pushen und nötigenfalls auch strategische Tode in Kauf zu nehmen. Außerdem besaßen sie die Art von gesunder Paranoia, die den Borg völlig fremd war und die es mehr als nur einmal verhindert hatte, dass ein Jem'Hadar Schiff so einfach infiltriert worden wäre wie ein Borgkubus. Einzig unsicherer Punkt in diesen Überlegungen war die Stärke der jeweiligen Streitkräfte, denn weder von den Borg noch vom Dominion konnte man auch nur in etwa die Größe der Flotte angeben – zumindest konnte ich das nicht, denn Zugang zu Informationen des Geheimdienstes hatte ich natürlich nicht.

“Petty Officer Suvok?“ Ich war gerade dabei gewesen, die letzten Gerätschaften zu verstauen und dann meine Schicht zu beenden, als die stellvertretende Chefin der Abteilung in der Tür stand und mich ansprach. “Ja, Sir?“, antwortete ich militärisch korrekt, obwohl ich es insgeheim immer noch äußert unlogisch fand, nur aufgrund einer antiquierten Tradition auch Frauen mit einem ausschließlich für Männer gedachten Titel anzureden. “Commander Dynamite und ich dachten uns, Sie haben in letzter Zeit gute Arbeit geleistet.“, eröffnete Sie mir und lächelte dabei. Ich fragte mich, ob sie ausgerechnet zehn Minuten vor Ende meiner Arbeit den Leistungsbericht mit mir durchsprechen wollte, doch da es natürlich ihr gutes Recht war, nickte ich nur knapp und hörte weiter zu. “Was würden Sie davon halten, wenn wir Sie mit der Leitung der Astrometrie betrauen?“ Einen Augenblick musste ich über diese Frage nachdenken, denn es war doch sehr faszinierend, dass sie ausgerechnet einen der Kandidaten nach seiner Meinung über die Auswahl eben jener fragte, doch dann antwortete ich ihr einfach das Logischste: “Ich wäre geeignet für diese Aufgabe.“ Aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund brachte meine Replik Lieutenant Yaris zum Lachen und so dauerte es einen Augenblick, bis sie wieder sprechen konnte. “Gut, das haben wir uns auch gedacht.“, erklärte sie dann und reichte mir ein PADD, auf dem einige Namen und noch ein paar andere Dinge wie Codes und laufende Projekte notiert waren. “Diese Wissenschaftler werden Ihnen unterstellt sein. Ihr Dienst beginnt morgen um acht Uhr.“ “Ich verstehe.“, antwortete ich nickend und nahm das Datenmodul entgegen. “Wie lautet mein Arbeitsauftrag?“ “Das ist jetzt ihre Verantwortung, Petty Officer.“, erwiderte meine Vorgesetzte, wobei sie wieder breit grinste. “Führen Sie die angefangenen Projekte fort und beginnen Sie neue, die mit der generellen Aufgabe ihrer Subabteilung im Einklang stehen!“ Mir war nicht so ganz klar, was sie damit eigentlich meinte, aber vermutlich würde ich das selbst herausfinden können, wenn ich mir in der Datenbank die genaue Beschreibung der Aufgaben in der Astrometrie einmal genauer durchlas. Außerdem ergänzte Tiri Yaris noch eine Kleinigkeit, die den Einstieg in meine Arbeit sicherlich erleichtern würde: “Und keine Sorge, Suvok! Wenn irgendwas Wichtiges ist, wird der Commander sich schon bei Ihnen melden.“