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TEN - GLogs1/4/2 - Rhoya/Pandora/Solar - Reb - 12099.2333

BeitragVerfasst: Mi 22. Dez 2010, 22:20
von Vega
    Hoffnungsschimmer


Personen direkt: Rhoya, Pandora, Solar, Rosanna, Six of Twentyfive, Bashir, Anna, Anders (NPC)
Personen indirekt: Lunar, Salvina, Achill, Cardew, diverse Eltern

Wörter gesamt: 4031
Rhoya: 1349
Solar: 1552
Pandora: 1130




«=/\=» Tenjin - Maschinensektion «=/\=»


Nicht, dass mich die Aussicht auf Feinde nicht fröhlich stimmen würde, es war nur, dass ich Solars Gefühl spüren konnte, das mich auch auf erdrückende Weise niederrang. Er machte sich Sorgen. Er war angespannt. Nur wenige wussten warum. Noch weniger wussten, wie innig die Beziehung zu dieser Frau hier war, nach der die ganze Kavallerie suchte.

Ich wusste es, ich verstand ihn, deshalb war ich noch hier, oder wieder, deshalb blieb ich ruhig obwohl mir danach war jedes Schott einzutreten um die Ratten aufzuscheuchen und sie auszumerzen.

„Solar?“ fragte ich, war gerade erst hinzu getreten, als Pandora ihr komisches Computerprogramm installiert und ausgefragt hatte. Feinde in Sektion 14, Verletzte in Sektion 12, viele Ebenen nicht mehr zugänglich, aber die Hiobsbotschaft an sich kam ja erst noch. Der Halbbajoraner drehte sich zu mir herum, nachdem er elanvoll anführerhaft wie sonst kaum die Aufgaben verteilt und den Plan ausgesprochen hatte, der uns zur Rettung und zum Kampf führen könnte. Seine Brauen waren zusammengezogen, als würde er meine Kritik an seinem Plan im Keim ersticken wollen, aber ich hatte keine Kritik, ich hatte etwas anderes.

Meine Hand hob sich, denn die Worte brachte ich nicht heraus. Meine Hand hielt ein Stück Stoff, festes, abgenutztes Leder einer alten, sehr alten Uniformjacke, mit einem roten Kragen. Einst eine Uniform alter Ideale, der Pure Federation, heute Lunars Jacke.

Und an ihr klebte Blut...





"... und jetzt bewegt eure Ärsche, sonst ... Was?", wandte ich mich harsch zu Rhoya um, verstummte dann aber auch ebenso schnell, denn da war dieses Gefühl, ins Nichts zu fallen, schon als ich ihren Blick bemerkte, erst viel später, viel zu langsam zu diesem Stoffstück hinuntersah, das für jeden anderen nichtssagend sein mochte. Für mich war es etwas, das mir in den Magen schlug, mir schlecht und schwindlig werden ließ und mir jeden Halt entriss. Ich hatte das Gefühl, zu fallen, ohne zu fallen, dauerhaft hart aufzuschlagen, zu schwer für meine Beine und meinen Körper zu sein, der gerade ein großes Problem dabei hatte, stehen zu bleiben. Da war der Wille, zu schreien, etwas zu zerstören, um mich zu schlagen. Und doch bewegte ich mich nicht, denn jeder Antrieb fehlte, jedes Vermögen, meinen Körper, mich selbst zu irgendetwas zu bewegen.
Atmen. Es rasselte hörbar, denn die Luft musste sich mühsam an einem harten Kloß in meinem Hals vorbeikämpfen, der auch das Schlucken verhinderte und jeden Laut erstickte. Dabei wollte ich doch schreien, toben und fluchen ... oder weinen.

Dass ich meine Hand nach diesem Kleidungsstück ausstreckte, merkte ich erst viel später, als meine Finger das Leder nun auch berührten, die raue Oberfläche spürten, ertasteten. Es fühlte sich unwirklich an und doch viel zu real. Als würde sich mein Verstand weigern, diese Realität anzuerkennen. Oder weigerte sich mein Gefühl? Schwer zu sagen, denn ich wusste nicht, was ich dachte, was ich fühlte, da war nichts und viel zu viel auf einmal.
"Lu ...", hörte ich mich wispern. Oder war es jemand anderes? Hörte sich meine Stimme denn immer so leise und matt an?
Und dann schrie ich doch auf und schlug zu, aber was ich traf, war nicht Rhoya, sondern die Wand hinter ihr. Nein, Rhoya konnte nichts dafür, konnte nichts für die Nachricht, die sie überbrachte, für den rasenden Schmerz in meinem Inneren, der eben alles hatte erstarren lassen und nun dafür sorgte, dass ich verbrannte, verglühte. Der Schrei verhallte in den kaputten Korridoren und ließ bleiern lastende Stille zurück, ein tiefes, erdrückendes Nichts.

Bis da ein Funken war, irgendetwas, das mich die Augen öffnen ließ und Rhoya anstarren, durchdringend, vielleicht sogar flackernd in den Tiefen der vergleichsweise hellen Augen. "Hast du ... hast du sie gesehen? Weißt du, ob sie ...? Weißt du, wo sie ist? ... Wissen wir, ob sie gefangen wurde?", fuhr ich sie, aber dann auch Pandora an, fauchend fast schon, wollte Gewissheit haben. Denn ja, solange ich keine Leiche sah, solange ich nicht direkt "begreifen" konnte, wo und wie sie war, solange war sie nicht tot und nicht verloren!




Jetzt dreht er komplett durch.
Na lass ihn doch. Irgendwie ist er doch niedlich, wenn er so ... unberechenbar ist.
Aber wenn er so unberechenbar ist, wieso laufen ihm dann alle nach? Du doch auch, Schätzchen, nicht wahr?

Haltet die Klappe. Alle beide. Ich brauche eure gehässigen Kommentare nicht.
Zweistimmiges Lachen. Mistkröten. Wenn sie wenigstens echt wären. Dann würde ich sie erschießen. Auf der Stelle.
Wir sind echt, Schätzchen.
Wir sind du. Wir sind, was du nicht auszusprechen und zu denken wagst.

Niemals. Ich würde niemals auch nur unbewusst SO denken und SO reden. Auf Solars Aufschrei hin fuhr ich zusammen, starrte nun selbst einen Augenblick verwirrt, dann mehr und mehr erkennend das Stück Leder in Rhoyas Hand an. Scheiße.
Kannst du laut sagen. Uuuh siehst du, wie die Mordlust, Wut und Verzweiflung in den Augen des süßen Solar glimmert?
Klappe.

Als Schnuckelnase dann Rhoya so anging und sich im letzten Satz auch mir zuwandte, weitete ich die Augen kurz, schüttelte den Kopf, dass die pinken Strähnchen flogen, raschelte unbeholfen weil hilflos und unwissend mit den weißpinken Flügeln aus denen sich kleine Federchen lösten, machte den Mund auf, dann wieder zu.
"Ich weiß es nicht.", sagte ich dann entschuldigend, verdrehte den Kopf um zu Anders zu sehen. Der kleine Wuschelkopf stand hochkonzentriert in der Gegend, hatte eine Hand an der Stirn und sah zur Decke. Bestimmt redete er mit seinem anderen Ich. Dem Anders der Tenjin. Oder war eben in der Tenjin unterwegs. Oder... ach ich hatte Paps nie recht gut zugehört wenn er versuchte zu erklären wie das funktionierte.
Dann straffte ich meinen Rücken, und faltete die Flügel wieder an de Körper, trat auf Solar zu, legte ihm die Hand auf den Arm und sah ihm strahlend in die Augen. "Lass uns los. Hier finden wir die Antwort nicht. Anders sagt uns Bescheid wenn er mehr weiß."
Ich umarmte ihn kurz um ihn zu drücken und etwas Trost und Zuversicht zu spenden.
Ach wie... niedlich... stehst auf ihn, was?
Dann gab ich ihm einen kurzen (freundschaftlichen) Kuss und nickte ihm zu. Er war stark, mehr als viele dachten. Aber auch er brauchte seinen Rückhalt und so wenig verständnisvoll ich manchmal wirken mochte und so oberflächlich ich zugegebenermaßen auch sehr oft war: Ich hielt zu ihm und zu Lu genauso.





Es war nicht meine Art mit Anfauchen zu lassen und dementsprechend verzog sich meine Miene durch das was Solar gerade tat und eine schwarze Augenbraue hob sich mit jedem Wort das er sprach, was ja nicht wirklich so viele waren, ein Stückchen höher. ich wirkte immer eisern, das hatte ich mir angewöhnt, jetzt auch, weil ich meine Hände erneut in die Seiten gestemmt hatte nachdem sie frei waren und er die so prägnante Jacke betrachtet hatte, angestarrt.
"Dazu wollte ich noch kommen." raunzte ich ihn unnett an und atmete angestrengt durch, ehe ich ihn aus meinem eigenen Rot in das Goldgrün blickte. So, wie erklärte ich ihm wo ich das Teil gefunden hatte?
"Sie lag... hing... an der aufgerissenen Wand der Shuttlerampe der Tenjin." Nun atmete ich tiefer durch und vielleicht war es mein Schweigen, das so viel mehr sagte als es wirkliche Wörter könnten, oder auch das beißen auf die Unterlippe das ich nur selten machte. Ich war groß, größer als Solar da ich Absätze trug, doch gerade war mein Kopf gesenkt das ich ihn von unten her ansah, weil auch mir dieses Gefühl den Magen umdrehte. "Dort... war... das Zentrum der Explosion..." murmelte ich, ehe ich eilig hinzufügte: "Aber da war keine Leiche!"
Als wenn ihn diese Worte erleichtern würden.
"Da war nur Blut und... ihre Jacke... weder ihr Katana noch der Körper..." endete ich und atmete nochmals tief durch. "Wenn sie nur verletzt ist, dann rennt sie hier noch im Alleingang durchs Schiff um ihre Leute in Sicherheit zu bringen vor der Allianz. Da ist sie ganz ihr Bruder..." brummte ich, neigte dann den Kopf um Solar scharf anzusehen.
Gut, ich selber war auch nicht anders.





Es war mir herzlich scheißegal, ob Rhoya sich jetzt angemotzt vorkam, oder nicht. Ehrlich gesagt dachte ich nicht einmal daran, dass sie sich so fühlen könnte, in diesem Moment war mir so ziemlich alles egal, vollkommen egal, ich wollte nur Lu wiederhaben. Nicht einmal an Salvina dachte ich in diesem Augenblick. Pandoras Kuss ließ mich aber zumindest einmal überrumpelt blinzeln, ehe ich kurz die Augen schloss und zumindest versuchte, tief durchzuatmen. Verfickter Mist!
"Kein Katana, keine Leiche ... Zentrum der Explosion ... Jacke hängt an der zerfetzten Wand ...", murmelte ich resümierend vor mich hin, ging dabei ein paar Schritte auf und ab. Wahrscheinlich erinnerte ich gerade eher an ein eingesperrtes, wildes Tier, das am liebsten jeden, der vor den Gitterstäben vorbeiging, zerfetzt hätte. War irgendwie auch so. Aber eigentlich wollte ich nur eine bestimmte Sorte Schaulustiger zerfetzen: Alle mit Allianzuniform und auch die ohne Uniform, die zumindest ihr Hirn von diesem Drecksverein brandmarken hatten lassen!
War Lu nach draußen gesaugt worden? Aber dann wäre Rhoya nicht so schnell an die Jacke gekommen, oder? Nur hatte es nicht geheißen, das Schiff hätte ein Leck? Und wo? Ach, verdammter Mist!

"Gibt es eine Blutspur oder sowas?", wollte ich dann doch mit etwas mehr Denkleistung dahinter wissen, auch weniger fauchend, sondern eher fieberhaft nach Möglichkeiten forschend. Ich hob die Jacke an und krempelte sie um, um das Innere auf Blutspuren zu untersuchen.
"Hier, sie muss geblutet haben!" War das gerade Triumph in meiner Stimme? Irgendwie grotesk angesichts der Tatsache, dass ich doch hoffte, Lu wäre nichts passiert.
Bis sich eine leisere Stimme von der Seite meldete, Rosanna: "Ehm ... Solar, wir sollten weitersuchen, auch nach anderen Verletzten, vielleicht finden wir ..."
"Nein!", fuhr ich aufgebracht und mit funkelndem Blick dazwischen, dass sich sogar die anwesenden Sternenflottler kurz zweifelnde Blicke zuwarfen. Ich atmete wieder tief durch, die Augen dabei geschlossen, innerlich bis zehn zählend. "Nein, wir brauchen Lu, sie weiß, was passiert ist und auch wo der ganze Rest ist. Wenn wir sie finden, wird die Suche generell sehr viel einfacher.", erklärte ich mich dann und klammerte energisch alles Persönliche aus, denn wenn ich das bei mir selbst noch einmal so sehr zulassen würde, wäre ich nur noch unzurechnungsfähig und wohl kaum mehr zu irgendetwas zu gebrauchen.




Ich runzelte die Stirn und war auch wieder zurückgetreten, ließ den Blick über die anderen schweifen. Solar hatte schon Recht irgendwie, aber so ganz geheuer war den anderen die Sache nicht, auch Rosanna nicht unbedingt. Sicher, ja. Lu wusste was passiert war, wo der Rest war, wie man die Schiffe wiederfand und dergleichen mehr...
Ja, es sparte Zeit, Lu zu suchen und sich dann um alles andere zu kümmern als mühsam jeden einzelnen hier am Schiff aufzustöbern.
Nur: wie fand man Lu? Zweifelnd sah ich kurz zu Solar, nagte an meiner Unterlippe. Dass es nur die Logik war in seinen Worten, das war für keinen von uns so komplett glaubwürdig, aber eben auch das war verständlich. Immerhin ging es um Lu. Die wichtigste Frau in seinem Leben. Das war doch klar.
Keine(r) von uns war für Solar, für die Obelisk, für die Rebellen, für die Sache so wichtig wie Lu. Das leuchtete ein, auch wenn die Flottler davon nichts wussten. Wir wussten es. Aber würde das helfen? Das half jedenfalls nicht dabei, sie zu finden.

Unser unerschrockener Anführer war in seine Rolle mittlerweile ja reingewachsen. Mehr als je zuvor. Vielleicht eben auch dadurch, dass Lu nicht da war.
Meine Flügel raschelten leise, als ich sie eng an den Körper faltete, fast als müsste ich mich wärmen. Und irgendwie war mir ja kalt. Was wenn sie... aber Solar schloss diese Möglichkeit aus. Ich stand ja hinter ihm, außerdem war ich krankhaft optimistisch. Lu war am Leben und wir würden sie finden und alles würde gut werden und ich würde meine Eltern wiedersehen.
Nun stieß ich den Atem aus.
Krankhaft optimistisch. Da hast du Recht.
Ja, du solltest mal logisch denken. Ihre blutige Jacke an einer aufgerissenen Wand...

Klappe. Ich will nicht logisch denken. Ich will gar nicht denken.
"Okay.", sagte ich schließlich, "Wo fangen wir an zu suchen? Dort wo Rhoya... Die Jacke gefunden hat, vielleicht? Und arbeiten uns dann von dort vor?", ich drehte mich herum, "Anders? Kommst du voran?"
Der Wuschelkopf hob die Hand die an der Stirn gelegen war und deutete mit dem Daumen nach oben, dass alles prächtig lief. Oder so ähnlich.
"Die Erinnerungsmatrix ist noch nicht zugänglich, aber ich berechne die möglichen Faktoren.", teilte er uns mit, "Und gebe euch Bescheid."





"Nein." meinte ich entschieden und sah mich hebenden Köpfen gegenüber, während ich kurz eine geschwärzte Wand anstarrte und dann tief durchatmete. "Da war keine Blutspur, nichts Durchgehendes jedenfalls, was aber nicht ausschließt, dass die Allianz sie gefangen genommen haben könnte." erklärte ich und atmete flatternd durch.
"Genau das ist aber das Problem... Lu ist nicht als Anführer bekannt, sie werden sie nicht... schonender behandeln..." gab ich zu verstehen, auch wenn es mir fern lag Solar jetzt noch mehr zu verunsichern.
"Wir wissen das sie genug aushält, allerdings müssen wir hinmachen, von daher ist es ziemlich egal ob wir nun Allianznester ausheben, Rebellen retten und die nach ihr fragen oder einfach der Nase lang gehen." begann ich eine viel zu theatralische und zu wortreiche Rede. Solar sog Luft ein um etwas zu erwidern, doch jetzt hob ich die Hand, den Zeigefinger, um anzudeuten das ich noch nicht fertig war, aber er wusste auch, dass es hieß, das ich nicht so negativ in der Aussage bleiben würde wie es jetzt klang.
"Das hier, die Obelisk, ist Lus Schiff, wenn es jemand kennt, dann sie, und kein Allianzler wird sie lange genug halten können, dass sie nicht irgendwie entwischen würde." begann ich meine Gedankengänge laut zu erklären, was manche an mir zweifeln lies. Ja, eigentlich war ich die krasse, psychopathische Schlägerin, dass ich durchaus Intelligenz besaß blendeten die meisten aus. "So wie ich deine Schwester einschätze wird sie versuchen die Verteidigungssysteme zu aktivieren, die garantiert auch durchgeknallt sind, damit hat sie und nur sie allein auch wieder Zugriff auf die internen Sensoren und kann mittels der K.I. die Sektionen von Hand abschotten und weiß wo ihre Leute sind. Sie wird nach Nähe vorgehen, daher die Systeme nach und nach wiederherstellen..."
Ja, ich erntete verwirrte Blicke für mein taktisches Verständnis und sogar Solar schien überrascht, noch mehr als ich leicht lächeln musste. Ich zuckte mit den Schultern auf seine Verwunderung.
"Achill hat mir einiges erzählt..." erklärte ich und mein stechendes Rot kroch nun von meinem gefühlten Bruder zu der pinken Feder-Lady.
"Kann dein Dings-Da... also das Dings da..." mein Nicken glitt zu der Projektion eines Kindes, was ich sehr unangebracht fand, so wie vieles was Pandora mitbrachte, aber sie war meistens wenigstens effizient damit. Solang sie meine Haare nicht pink färben wollte... "Also, feststellen was zur Aktivierung der Verteidigungssysteme noch fehlt?"





Oh, ich hätte jetzt sooo gerne einen Schluck getrunken, irgendetwas Alkoholisches, das meine Kehle verbrannt und mein Hirn weggeschossen hätte. Irgendetwas, das das alles hier ... leichter gemacht hätte. Auch wenn es nur eine Illusion gewesen wäre, es hätte geholfen, ganz bestimmt.
Tatsächlich wollte ich hart gegen Rhoya wettern, als sie den eben von mir angestachelten Elan so dreist bremste und dann doch wieder ankurbelte, nur um einen Moment des weiteren Wartens zu erzwingen, der mich brummend schnaubend ließ und mich gegen die Gangwand werfen, um mit dem Rücken daran gelehnt stehen zu bleiben und auf die Jacke in meinen Händen zu starren, die etwas gedankenverloren drehte, kleine Risse und Schrammen begutachtete, von denen einige schon sehr alt waren und dem Kleidungsstück etwas sehr Charakteristisches verliehen. Es konnte eben nur Lus Jacke sein. Und ich vermisste meine kleine Schwester gerade mehr denn je. Ob es ihr genauso ging, wenn ich in Gefahr war, wenn ich wegflog und gefangen genommen wurde? Es war schon viel zu oft passiert und ich hatte sie nie darauf angesprochen, nie wirklich mit ihr darüber geredet. Wir redeten ohnehin nie viel über irgendetwas, oftmals blieb es bei den üblichen Sticheleien. Und ich meinte mich zu erinnern, dass wir uns zuletzt sogar so etwas Ähnliches wie gestritten hatten. Eben etwas mehr als nur harmloses Provozieren und Necken. Und doch, letztlich waren wir schon immer ein Herz und eine Seele, wenn es darauf ankam. So wie jetzt. Und insgeheim war ich heilfroh, dass zumindest meine andere Schwester da war, dass sie das tat, was ich gerade nur schwer konnte: Nachdenken, bevor man handelte.

Jetzt, eine gefühlte kleine, stille Ewigkeit später, sah ich ebenso auf zu Anders, wartete auf eine Antwort von entweder der pink Geflügelten oder dem hochkonzentriert abwesenden Kind. Ja, vielleicht wüssten wir dann wirklich gleich, wo es hingehen sollte ...
Vielleicht könnte ich ja Rhoya später mal für das alles knutschen, wenn wir alle heil hier heraus waren und so. Und Pandora auch. Und Leyla möglicherweise, wenn sie meine Tätowierungen wieder repariert hatte und Salvina, wenn ... hm ... wo war sie eigentlich?
Nein, zu allererst musste ich Lu so fest drücken, dass sie mich boxte, um wieder losgelassen zu werden. Ja, genau, dann wüsste ich auch ganz sicher, dass sie noch lebte und noch die Alte war und so.




Es klang ja alles ganz logisch. Also, was Rhoya so von sich gab und bewundernd andächtig falteten sich meine Flügel ganz leise, um sie ja nicht zu unterbrechen während ich zu ihr sah und mit großen Augen lauschte. Hey, sogar die Stimmen waren leise. Aber ein wenig sehnsüchtig schielte ich zum wiederum konzentriert dastehenden Anders, den ich in mir total vermisste.

Wir sind doch da.
Wir sind viel besser.

Klappe. Beide. Ich muss nachdenken. Oder eher zuhören. Konzentriert zuhören, genau. Schließlich gab uns Rhoya grad ihre Gedanken preis. Hach, das machte sie gut! Sowas fand ich viel besser als das stumpfe Drauflosschlagen für das sie eher bekannt war. Aber wenn sie immer nur stumpf draufhauen würde ohne nachzudenken, wäre sie jetzt nicht mehr am Leben, also war es ja eigentlich gar nicht überraschend, dass sie es tat, aber eben ungewohnt weil man es so nie mitbekam. Man war ja eher selten in solcher Konstellation wie jetzt unterwegs. Normal kommandierten die doch alle nur ihre Schiffe und ich bewegte mich an territorialen Grenzen mit der Büchse und sammelte Schrott und bastelte Zeug. Oder besuchte Dad und Paps und bastelte mit ihnen was. Oder... Äh. Ja.
Mit großen Augen sah ich Rhoya an. Dings? Anders war doch kein Dings-da! Schon zogen sich die Fältchen auf zwischen den Augen an der Stirn und die Brauen hob sich, der Mund spitzte sich zu um ihr zu sagen, dass Anders ein eigenständig denkendes Wesen war und kein Dings-da.

Aber da antwortete Anders schon, ohne zu uns zu sehen. Immer noch fixierte er diesen Up-Link an der Decke und antwortete jetzt relativ leise, aber doch klar und deutlich hörbar: "Sektion 05-a muss neu gestartet werden. Reparable Schäden in Sektion 3. Möglichkeit, dass die Verteidigungssysteme nach vorläufiger Schadensbehebung fehlerfrei laufen: 90 %. Ich diagnostiziere Schaden..."
Seine erhobene Hand deutete an, dass wir in der Warteschleife hingen. Ich seufzte leise, fast unhörbar, warf einen Blick zu den anderen. Kannten sie das Sektionsschema der Tenjin? Aber es war eigentlich überall gleich aufgeteilt worden, wo Anders "Dienst" tat.
"... Reboot von Sektion 05-a notwendig. Benötige Kabelüberbrückung in Sektion 3-a, 3-b und 3-d. Diagnoseprogramm zu 90 % funktionsfähig. Dritter Computerkern ausgefallen, benötige mehr Datenleistung. Verteidigungssysteme einsatzbereit sobald Sektion 5 und 3 zu 98 % Leistung erzielen."





Solar zu sehen, wenn er den Mut verlor war sehr seltsam und ich kannte die Art und Weise wie das an ihm abzulesen war nur zu deutlich. Vielleicht lag es daran, dass ich es mir eingeprägt hatte, weil es viel zu oft passierte in letzter Zeit. Die Art wie seine Augen sich verdunkelten und spiegelnd wurden, wie sein Blick abwich und seine Haltung sich veränderte, des Stolzes entbehrte der uns doch irgendwo zusammengeschweißt hatte.
Ich erinnerte mich, wie ich als Kind, als Jugendliche, immer zu dem energiegeladenen Krieger mit Sternchen in den Augen aufgeblickt hatte. Wie ich ihn beneidet hatte, dass er zu den Sternen reisen und Abenteuer erleben durfte und ich nicht. Damals dachte ich noch das es Abenteuer wären, heute weiß ich es besser, doch meine Ansicht, den Krieg als Abenteuer zu sehen, wurde oft als suizidgefährdet bezeichnet. Warum sollte ich mir düstere Gedanken machen? Der Tod war das einzige was wir im Leben je über uns ergehen lassen mussten und wer konnte schon sicher sagen, dass danach nichts kam?
Aus Spaß hatte ich ihn vor einigen Jahren mal getriezt, er benähme sich schon wie ein melancholischer alter Mann. Er sah nicht so aus, ich verdrängte es oft, aber Solar hatte seine Lebensmitte erreicht, den Punkt wo man normalerweise schon Enkelkinder hatte und zur Ruhe kam. Er tat das nicht. Er konnte es nicht. Vielleicht war es unsere Schuld, denn wir trieben ihn vorwärts, aber ich konnte ihn mir schlichtweg nicht auf einem Stück Land vorstellen wo er Sand mit einem Rechen Muster einkarrte und Steine hineinsetzte. Steingarten. Zen. Ruhe. Blah!
Ich war aber auch nie auf den Gedanken gekommen ihn je danach zu fragen ob er das nicht vielleicht doch wollte...
Ihn so betrachtend sickerten die kindlichen Worte nur peripher durch mein Ohr, was nicht hieß, dass ich sie nicht wahrnahm, denn das tat ich sehr genau und drehte mich dann auch zum Rest um. Energisch klatschte ich meine Hände zusammen - auch um Solar aufzuwecken - und zeigte dann auf diesen kleine Kinderwesen.
"Das klingt nach einem Plan!" erklärte ich und erntete verwirrte Blicke, was mich dann seufzen lies. Das aber auch niemand mir gedanklich folgen konnte! Wo war Cardew? Der konnte das... "Na ganz einfach, wie gehen in Sektion 3 und machen uns an die Reparatur... dort ist mehr zu tun, sie wird früher oder später dahin kommen und wenn sie nicht schon dort ist." erklärte ich und es schien für die meisten ein zufriedenstellender Plan.
Das Lu womöglich doch schon tot oder gefangen sein könnte, das ließ ich jetzt weg. Ich war kein Pessimist, es war realistisch, aber mein Optimismus gerade den ich so zur Schau stellte, der kotzte mich selbst wohl am meisten an...





Tief durchatmend stieß ich mich nach langem, reglosen Dastehen schließlich wieder von der Wand ab und zog mir die Jacke meiner Schwester kurzerhand selbst über. Sie passte mir gerade so, war neckisch kurz irgendwie, aber da sie Lu um die Schultern etwas zu weit war, ging es bei mir gerade gut. Und irgendwie war es ein eigentümlich bestärkendes Gefühl, mir auf diese Weise ein Stück ihrer Kämpfernatur überzustreifen. Als würden wir uns doch einmal mehr gegenseitig hochpushen. Der Gedanke ließ mich schmunzeln, als ich leicht über die Jacke strich. Aber es war etwas leichter, daran zu glauben, dass wir sie sicher noch lebend wiederfinden würden.

"Okay, auf geht's!", meinte ich dann und erntete teils etwas überraschte Blicke.
Bis wir uns plötzlich ganz reflexartig alle irgendwo festhielten - die meisten an der Wand, andere am anderen - da das Schiff heftig erschüttert wurde und man sogar hier durch den gebeutelten Rumpf das Ächzen zusammenbrechender Wandkonstruktionen hören konnte. Aber war da nun auch eine Explosion gewesen? Sicher war ich mir nicht. Die Geräusche kamen verdächtig zielsicher aus Richtung Brückendeck, zumindest eben in selber Linie dorthin. Und ich atmete tief durch.
"Was war ...?", weiter kam ich nicht, denn Anders schaltete sich gleich ein.
"Schäden auf der Brücke.", berichtete das Kind und bestätigte meine Befürchtungen, was mich seufzen ließ. Eigentlich wollte ich schon weiter sprechen oder zumindest alle zum Gehen bewegen, da sprach das Hologramm schon wieder weiter: "Lebenszeichen zu orten."
Alle Köpfe flogen zu dem Kind herum, das stetig an die Decke starrte.
"Wo?!", fuhr ich Anders beinahe schon an, der regelrecht stoisch nicht auf den scharfen Tonfall reagierte. Warum auch? Ein Hologramm brauchte kaum etwas fürchten, solange es sich nicht um einen totalen Computercrash handelte.
"Brücke. ... Anzahl der Individuen nicht sicher feststellbar, bajoranischer Genanteil, Rest nicht spezifizierbar. ... Sensordaten fehlerhaft.", gab das Kind monoton sachlich von sich und ich japste, um dann schon die Hälfte der Anwesenden umzurennen, als ich in Richtung Brücke sprintete.


... to be continued.