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RES – Cmdr S. Kirilenkova – XO – RPG 1 Log 15 – 12‘075.2178

BeitragVerfasst: So 28. Nov 2010, 20:47
von JasonHawk
RES – Cmdr Svetlana F. Kirilenkova – XO – RPG 1 Log 15 – 12‘075.2178

Personen: Richards, Manu Katché, Mnemo Lone, Skylar Salvation
Wörter: 1‘251
Titel: ausgestossen und übergesetzt

=A= Starbase 98 Resolution – Deck 349 – Krankenstation =A=

Richards gab mir zu verstehen, dass wir uns trennten. Er würde die eine Tür nehmen und ich die andere. Je jemand von der Sicherheit ergänzte uns zu zwei Zweierteams.
Ich hielt das Phasergewehr auf den Boden gerichtet, bereit es sofort hochzuziehen und ein Ziel anzuvisieren. Meine Verstärkung öffnete in der Zwischenzeit die Tür und trat dann sofort zur Seite. Das war mein Signal: Ich riss das Phasergewehr hoch und stürmte in das Krankenzimmer. Sofort suchte ich das ganze Zimmer nach dem Eindringling ab und das Gewehr begleitete meinen Blick. Dabei fiel mir sofort der offene Zugang zur Jeffries-Röhre auf.
„Lieutenant!“
Es ging ruck zuck und schon stand Richards neben mir. Er reagierte sofort und gab den Sicherheitskräften Anweisungen. Mein Blick schweifte über die verletzten Kzinti in diesem Raum. Was war an dieser Rasse so wichtig? Wieso waren zwei Angriffe auf dieses kleine Volk nötig? Es ergab keinen Sinn. Sie waren unschuldig.
Als ich wieder zum Zugang zu den Jeffries-Röhren schaute, stand Richards davor und halb darin. Er hatte seinen Kopf reingesteckt. Als er ihn wieder rauszog und sich zu mir umdrehte, war mir klar, dass wir die Spur des Eindringlings fürs erste verloren hatten. Richards bestätigte dann auch meine Befürchtung.
„Zwecklos. Der Eindringling ist uns entwischt. Benachrichtigen wir den Captain.“
Ich nickte zur Bestätigung. Ich ging voraus aus dem Krankenzimmer der Kzinti. Die ersten Mediziner kamen bereits herein, um die Verletzten ein weiteres Mal zu untersuchen. Hoffentlich waren wir schnell genug gewesen, um zu verhindern, dass der Eindringling den Kzinti etwas verabreicht hatte.
Im Hauptraum der Krankenstation traf ich auf den Captain. Er stand bei der stellvertretenden Chefärztin Lone. Seinem Gesichtsausdruck nach, müsste ich eigentlich gar nichts mehr sagen. Er musste meinem Gesichtsausdruck bereits angesehen haben, dass der Eindringling entkommen war.
„Der Eindringling ist entkommen. Er war im Zimmer der Kzinti. Der Zugang zur Jeffries-Röhre stand offen, als ich den Raum betrat.“
Ich glaubte nicht, was dann geschah. Zu unfassbar war es, aber es geschah tatsächlich. Direkt vor meinen Augen.
Katchés Blick schnellte zu Richards und er sagte vorwurfsvoll:
„Mr. Richards, wo waren Sie?“
Dass der Captain nicht gleich in einem schiffsweiten Ruf verkündete, dass er mir nicht vertraute, mich gar für eine Verräterin hielt, war wohl das höchste der Gefühle. Aber wenn es jetzt die ganze Krankenstation wusste, kam das praktisch auf das Gleiche raus. Ich war jetzt also als Verräterin abgestempelt, schön fett auf meiner Stirn und so durfte ich jetzt herumlaufen. Da änderte auch Richards sachliche Schilderung der Tatsachen nichts mehr:
„Ich hatte alle Leute aufgeteilt, um möglichst schnell alle Räume untersuchen zu können.“
Was danach geschah, nahm ich nicht mehr wirklich war. Ich stand zwar dabei, aber realisierte es nicht mehr. Stand teilnahmslos dabei. Die verschiedenen anwesenden Personen sprachen irgendwelche Worte, die aber nicht bis zu meinem Gehirn durchdrangen. Aber es war mir auch egal.
Wieso hatte ich nochmal die USS Hi Ryu verlassen? Dort hatte ich mich wohl gefühlt. Dort hatte der Captain meine Meinung respektiert und mir vertraut. Dort war ich ein angesehenes Mitglied der Besatzung gewesen. Hier, auf der Resolution, schien ich nur eine Ausgestossene zu sein. Ich machte meine Arbeit nach meinem besten Wissen und Gewissen, war sogar der Meinung, dass ich mich im Vergleich zur Hi Ryu nochmals gesteigert hatte, aber es schien nicht bemerkt, geschweige denn goutiert zu werden. Langsam konnte ich nachfühlen, wie sich Sturm hier fühlen musste.
Ohne es zu wollen schaute ich zum Captain und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war ein Mann! Nichts weiter als ein Mann. Auf die konnte man sich nicht verlassen. Er war wie Michael. Der war auch ein Nichtsnutz, auf den ich mich nicht hatte verlassen können. Der mich hintergangen hatte. War wie Professor Umbridge, dieser schleimige Eckel! Auch er hatte sich als eine grosse Enttäuschung entpuppt. Mehr noch, liess er mich daran zweifeln, ob ich meinen Abschluss wirklich nur meiner Leistung zu verdanken hatte. Und während ich meinen Blick von Katché abwandte, zog ich einen Schlussstrich unter die Männer. Mit ihnen hatte ich definitiv abgeschlossen.
Mein Blick fiel auf ein bekanntes Gesicht. Die Turbolift-Dame. Turbolift-Dame einerseits, weil sie halb nackt aus einem Turbolift gekommen war. Bei dieser Erinnerung legten sich sofort die Bilder aus meinem Traum über die Erinnerung. Turbolift-Dame andererseits, weil ich zu einem späteren Zeitpunkt in einem Turbolift meine Augen nicht hatte von ihr lassen können. Sie verschwand gerade in dem Zugang zu den Jeffries-Röhren.
Ich wandte meinen Blick von diesem „Loch“ in der Wand ab und schaute mich stattdessen in dem Krankenzimmer um. Ich nahm es jetzt aber ganz anders war, als noch vor wenigen Minuten, als ich es mit dem Phasergewehr gestürmt hatte, und das hatte nichts mit dem Phasergewehr zu tun. Es lag viel mehr an den Personen in dem Raum. Ich schaute sie mit ganz anderen Augen an. Der prüfende Blick, mit welchem ich während meines Studiums noch meine männlichen Kommilitonen „gemustert“ hatte, galt nun den Frauen in dem Raum. Wie bei meinen Kommilitonen galt meine besondere Aufmerksamkeit den Händen, die gepflegt sein mussten, und den Augen, die vertrauenswürdig sein mussten. Die Männer im Raum waren nichts mehr als das, Männer eben, und Besatzungsmitglieder, wie meine weiblichen Kommilitonen während des Studiums auch nur Frauen waren und eben Kommilitonen.
Ich stand also auf Frauen.

Die Gruppe in der Krankenstation löste sich auf. Die Turbolift-Dame war in den Jeffries-Röhren unterwegs. Mehr hatte ich nicht mitbekommen. Der Captain war aber noch da und das war das wichtigste.
„Captain?“, wandte ich mich an, während er die Krankenstation verliess mit einem Tricorder in der Hand, der eine Richtung anzugeben schien, wie ein Kompass. Ich hatte viel verpasst. Egal. „Wir müssen sprechen.“
„Wir müssen?“, fragte Katché etwas überrascht und zog eine Augenbraue hoch.
„Bei allem Respekt, Sir, wir müssen.“
„Kann das nicht warten, Commander? Wir verfolgen gerade eine Spur.“
„Nein, Sir, kann es nicht.“
Katché willigte resigniert ein. Er ging voraus in das Büro des Chefarztes und gab Lone zu verstehen, dass wir ungestört sein wollten. Als sich die Türe hinter uns schloss, wurden die Scheiben zur Krankenstation hin milchig trübe.
„Also? Was ist so wichtig, Commander?“, fragte der Captain, schaute mich aber nicht an, sondern schaute auf den Tricorder.
„Wieso suspendieren Sie mich nicht?“, fragte ich offen heraus und erlangte so endlich die volle Aufmerksamkeit von Katché, denn jetzt schaute er von seinem Tricorder auf und mich an.
„Wie bitte?“, fragte er mit scharfer Stimme
„Sie vertrauen mir nicht. Sie scheinen sogar zu glauben, ich sei eine Verräterin. Der logische Schluss wäre, mich zu suspendieren! Und streiten Sie es nicht ab. Nach Ihrer Nachfrage bei Mister Richards ist es offensichtlich.“
Stille. Der Captain reagierte nicht sofort. Stattdessen schaute er wieder auf den Tricorder, den er immer noch aufgeklappt in der Hand hielt.
„Sie bewegen sich gerade auf sehr dünnem Eis, Commander. Von einer solchen Unterstellung ist es nicht mehr weit bis zu einer Meuterei.“
„Bei allem Respekt, Sir, aber das ist Unsinn. Ich habe kein Interesse an Ihrem Kommando. Alles was ich will, ist Respekt. Den Respekt, zuerst mit mir zu sprechen, wenn Sie ein Problem mit mir haben und mich nicht vor der ganzen Krankenstation demütigen.“
Ich war wohl doch nicht so stark, wie ich gedacht hatte. Jedenfalls nicht stark genug, um dem Captain die Stirn zu bieten, ohne Schwäche zu zeigen. Ich hatte die letzten Sätze nicht mit fester Stimme beendet. Nein, je näher ich dem Ende kam, desto schwächer und schwerer wurde meine Stimme. Ich war schon froh, dass ich Schluchzer und Tränen zurückhalten konnte.