HYP - Ens. John Athens - SCI - URPG Log 1 - SD: 12084.1336

CO: Patrick O'Hara - XO: Hoshi Sato - DXO: Thomas W. Bentin

Moderatoren: John Connor, Thomas W. Bentin, Operationsstab

HYP - Ens. John Athens - SCI - URPG Log 1 - SD: 12084.1336

Beitragvon Fidel Matro » Di 7. Dez 2010, 12:23

Ensign John Athens
Wissenschaftsoffizier der USS Hyperion

Titel: Der Moment.

Erwähnte Personen: MED (wer will?), Verletzte im Maschinenraum (eine Konsole fing an zu brennen, mal wieder?)
Wortanzahl: 1068

USS Hyperion – Quartier von John Athens

Ich lag auf meinem Bett und hatte keine Uniform an. Spielte es überhaupt eine Rolle Kleidung zu tragen, wenn man nichts zu verstecken hat? Wenn man meine echten Geheimnisse hat vor der Welt und nur noch für den Tag lebt und die Nacht leise fürchtet? - Man wird schon ziemlich melancholisch, wenn man nichts zu tun hat. - Der stechende Schmerz machte sich wieder an meinem Bein bemerkbar und ließ mich leise aufzucken. Ich hatte mich heftigst verbrannt am Bein, als eine Konsole plötzlich durchdrehte und anfing zu brennen. Warum das so war, konnte ich mir bis heute nicht erklären, aber immerhin hatte ein Techniker das Ding reparieren können. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines zufälligen Abfackeln des Benutzers einer wissenschaftlichen Konsole war, konnte man ja immerhin schnell und ohne Probleme berechnen, doch im Kopf wollte ich das jetzt auch nicht machen. Man hat ja schließlich wichtigere Sachen zu tun, wie zum Beispiel herum dösen. Oder auch nur gelangweilt auf die Decke starren. „Mh...“, murrte ich leise die Decke an. Wirklich etwas sah ich auch nicht, denn ich hatte meine Brille nicht aufgesetzt. Es begann sich alles um mich herum zu drehen. Wahrscheinlich war es ungesund mit ungesunden Augen auf eine kahle Decke zu starren, die in keinster Weise besonders war, außer dass ihre Einöde in gewisser Weise mich als Gelangweilten Faszinierte. Sie war langweiliger als ich und das musste schon etwas bedeuten! Irgendwie drängte es sich mir doch auch, dass ich vielleicht in ein wissenschaftliches Labor gehen sollte und mich weiterbilden könnte oder aber auf das Holodeck. - Habe ich überhaupt noch Stunden frei? Obwohl, jetzt ist Urlaub und wir liegen an der Sternenbasis „New Vanguard“ an. Die kleine Warze an der linken Backe vom Hintern der Föderation, also weit weit weg vom Kerngebiet der Föderation und von der Erde selbstverständlich auch. „Aufstehen ist angesagt.“



Manche Momente erwachsen in gelegentlichen Einöden der Zeit und brechen aus dieser Stagnation in voller Blüte aus. Wir können dies nicht aufhalten, nicht verdrängen, denn schließlich sind wir nur eine winzige Figur, eher ein Staubkorn, im Getriebe des Zeitgewebes und jeder Widerstand von uns zwecklos und würde unsere Existenz aufreiben. Und was ist schon ein Staubkorn gegen die wachsende Unendlichkeit. Einsam fühlt es sich an, wenn nicht einmal in Gedanken oder gar materiell jemand für dich da ist. Oder etwas. Kein Trost, kein Mitgefühl im Universum, nur Dunkelheit und der Schein von Licht in den Augen der anderen Staubkörner. Können wir, die wir alle Staubkörner im Universum sind uns nicht vereinigen und Licht in das Dunkel bringen?



USS Hyperion – Im Turbolift

Ich betrat das mir bereits sehr wohlbekannte Gefährt und lehnte mich an die Wand des Liftes. Noch war ich nicht wirklich nicht wach, obwohl ich bereits einen Kaffee gehabt hatte und auch schon ein wenig frische Luft geschnappt hatte. „Frische Luft“ hieß, dass ich in der Bibliothek mir einige Datensätze auf ein PADD herunter geladen hatte und diese direkt gelesen hatte. Wenn auch nur zum Teil, denn wer - und hier sei man bitte mal ehrlich – liest schon gerne freiwillig und am frühen Morgen wissenschaftliche Dissertation über die Wahrscheinlichkeitstheorien und statistische Variablen? Aber es war immerhin einen Anfang und den konnte ich jetzt auch damit feiern, indem ich auf Deck 9 fuhr und mich dann auf einem Holodeck vergnügte. Warum? Weil ich es heute einfach mal verdient habe mich verwöhnen zu lassen. Ach ja... „Turbolift, Deck 9.“ Prompt kam auch schon die Bestätigung in Form von einem kühlen, mechanischen „Verstanden“ und ich spürte wie der Turbolift nach unten seine Fahrt begann. „Unten“ ist natürlich ein relativ dehnbarer Begriff. Wie sollte man schon großartig „unten“ im All definieren? Wo war das überhaupt? Da es mich aber recht wenig interessierte und auch nicht mein wissenschaftlicher Entdeckungsgeist geweckt war diesbezüglich, dachte ich auch nicht weiter darüber nach. Was für ein Programm nehme ich heute? - Irgend so ein Crewman hatte behauptet, dass „Massage Paradies Nr. 313“ wirklich top war. Na mal sehen... - Für einen kurzen Moment hatte ich meine Gedanken und Einsamkeit vergessen und mich nicht mehr darum gekümmert und in Selbstmitleid gebadet. Nein, ich wollte jetzt ein wenig Entspannung, Ruhe und virtuelle Gesellschaft. Echte Gesellschaft gab es ja hier nicht. „Notfall. Turbolift hält.“, ruckelte plötzlich der Turbolift und die Computerstimme erklärte dies natürlich auch prompt. Zum Glück hatte ich mich festgekrallt am Geländer, denn sonst wäre ich direkt vornüber mit dem Gesicht gegen die Turboliftür geknallt. Das konnte durchaus unangenehm sein, so erzählt man sich. Ich bin ja ein Wissenschaftler und bisher eigentlich noch nie auf mein Gesicht geknallt, nicht das ich mich bunt und genau daran erinnern würde. „Computer, warum bleibt der Turbolift stehen?“, maulte ich laut und ungeduldig. Ich wollte doch meine Massage nicht verpassen. „Analysiere...“ - Dann mach mal schneller, du dummes, lahmes, unnützes, … - „Notruf auf Deck 6. Medizinische Kräfte benötigen den Turbolift sofort, daher fährt der Turbolift in 3, 2, 1...“ Ohne dass ich es vorhersehen konnte schnellte der Turbolift los und ich flog zum ersten Mal in meinem Leben auf mein Gesicht, denn ich hatte mich weit nach vorne gebeugt und meinen Griff vom Geländer gelöst, natürlich nachdem ich mich in falscher Sicherheit gewähnt hatte. Es wurde warm um meine Nase und natürlich tat es auch höllisch weh. „Deck 6.“, sagte der Computer. Jemand wurde mit einer Bahre hinein getragen. „Ensign, verschwinden Sie, Sie stören!“, hysterisierte eine medizinische, weibliche Kraft mich an. „Was los?“, fragte ich nur und mir war plötzlich bewusst, dass mit einem Moment, mit einem Schlag ins Gesicht meine schöne Entspannung dahin war.

Ein Moment kann die Welten zusammenstürzen lassen und der Wiedergeburt neue Kräfte verleihen. Er kann dich glücklich machen und im nächsten Moment deinem Herzen den Todesstoß verpassen. All dies basiert auf Zufälligkeiten. Warum nennen wir dieses Phänomen überhaupt Zufall? Gibt es überhaupt Zufälle? Wahrscheinlich wollen wir uns nur erklären, dass es eine „höhere Kraft“ gibt, die den ersten Dominostein anstößt und Kettenreaktionen auslöst. Wir sind die Steine und wir fallen um, aber nicht völlig vorbestimmt. Wir können noch entscheiden ob wir mit dem Rücken oder mit dem Gesicht voran stürzen. Stürzen werden wir aber. Das ist sicher. So sicher wieder nächste Moment auf den vorhergehenden Moment folgen wird. Todsicher.
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