HYP – Ensign J. Athens – SCI – SD: 12093.2331

CO: Patrick O'Hara - XO: Hoshi Sato - DXO: Thomas W. Bentin

Moderatoren: John Connor, Thomas W. Bentin, Operationsstab

HYP – Ensign J. Athens – SCI – SD: 12093.2331

Beitragvon Fidel Matro » Do 16. Dez 2010, 22:20

HYP – Ensign J. Athens – SCI – SD: 12093.2331

Ensign John Athens
Wissenschaftlicher Offizier an Bord der USS Hyperion

Personen: Chefwissenschaftler Bakter, Mediziner/innen (wer will? :)), Holodeckfrau mit den himmelblauen Augen, Wissenschaftler (wer will?)
Wortanzahl: 1002

Titel: Von kalten Erinnerungen und himmelweite Umarmungen.

→ USS Hyperion – Holodeck ←

Mein Glas Wein in der Hand mit der andere ein wenig gestikulierend; vor mir selbstverständlich eine bildhübsche Brünette, die in einem langen roten Kleid vor mir auf dem Barhocker saß und deren roten Lippen die Todsünde höchstpersönlich sein könnten. Die Empfindungen brodelten leise vor sich her und gelegentlich kochten sie für einen kleinen Moment auf, nur um von einem Strom roten Weines heruntergespült zu werden. Sie lächelte vor sich her und spielte mit einer Strähne ihrer langen, dunkelbraunen Haare. „Ich möchte mit dir ein wenig zusammen sein...“, nuschelte sie leise mit ihrer mittelhohen Stimme und wandte nicht einen Blick von mir. - Wäre das Leben nur immer so einfach...? - Ich nickte rasch und trank auf ihr Wohlergehen. „Alle wissenschaftlichen Offiziere auf Deck 3 melden zur Besprechung.“, unterbrach eine Stimme plötzlich alles übertönend und anhaltend die Simulation. Ich zerbrach das Glas in meiner Hand in zwei große Teile und ließ es daraufhin fallen. Warum wurde ich gerade jetzt aus meinem schönen „Traum“ geholt, wo denn doch noch so viele andere Offiziere weitaus wertvollere Arbeit hätten machen können. Zitternd sah ich dann auf meine Hand, ein langer Streifen hatte sich in meine Hand gedrückt und langsam tröpfelte das Blut von meinem Kopf wieder in eine geregelte Zirkulation zurück und somit aus meiner offenen Wunder heraus. Den Schmerz konnte ich nicht spüren, zu wütend war ich und wollte denjenigen... demjenigen einfach weh tun, dafür dass er einfach so meine Sachen beendet. Meine Sachen – es klang, als würde ich etwas Verbotenes und Geheimes tun. Dabei konnte jeder nachprüfen, welches Programm ich hier nutzte und inwieweit es mir sogar Freude bereitete. Ich streichelte mit der unverletzten Hand noch mal über die zarte, schneeweiße Wange meiner virtuellen Freundin und verließ das Holodeck auf der Suche nach einer medizinischen Verpflegung meinerseits. Mit offenen, triefenden Wunden konnte man wohl kaum die Arbeit erledigen, die sicherlich wieder einmal nicht bedeutend für die Existenz von allen in der Sternenflotte sein würde, sondern nur für die Befriedigung der Launen der Vorgesetzten.

Wollte man nicht geehrt, begehrt und geliebt werden? Was können schon die Berufungen dieser Welt gegen die Welteinsamkeit ausrichten, die sich in den Herzen ausbreiten und Leere mimen? Diese Vorstellung, dass jeder einsam ist und einsam stirbt, ist wenig romantisch. Nein, sie ist höchst deprimierend. Aber man müsse sich doch eigentlich damit abfinden können. Eigentlich müssten wir alle unsere Empfindungen und Gefühle überwinden können und ein gleichgültige Leben der Nützlichkeit fristen. Natürlich nur so lange, wie die Lebensfrist in diesem Universum andauern wird. Es bleibt eine Ungewissheit, eine Unsicherheit auf dieser Welt, in diesem Universum. Kein Gedanke der rational ist, kann diese Ungewissheit überbrücken. Glaube ich zumindest...

→ USS Hyperion – Deck 3 – Wissenschaftliches Labor ←

„Vielen Dank, dass Sie sich doch noch eingefunden haben, Ensign.“, giftete der alte Kerl mir entgegen und ich schmunzelte leicht. „Natürlich.“, hob ich meine Hand und zeigte ihm meinen fein säuberlich angelegten Verband an der verletzten Hand. „Verstehe...“, murmelte dieser leise und nippte an seinem Kaffee. Ich beobachtete ihn schon lange Zeit, aber ich wurde nicht wirklich aus diesem Menschen schlau. Er wirkte auf mich sehr ruhig und entspannt. Nahezu wie ein alter Weise in einem hellen, blühenden Wald. Es war schon ein sinnlicher Anblick, wenn man dieses Urgestein der Sternenflotte beim Kaffee Trinken beobachten konnte. „Meine Aufgabe, Sir?“, fragte ich sicherlich nach einer Weile dann doch, denn ich fühlte mich doch ein wenig unnütz in diesem Raum stehen zu müssen und auf den Befehl zu warten doch etwas zu tun, was sowieso niemand brauchen würde. Meine verletzte Hand zitterte. Vor Aufregung oder vor Überstrapazierung meiner schwachen Nerven? Wer weiß? „Sie können die Langstreckensensoren auf ihre Funktionalität überprüfen. Nehmen sie sich ruhig einen Kollegen hinzu.“, meinte der Lieutenant Commander dann zu mir und sprach diese wenigen Worte mit höchster Auswahl und niedrigster Geschwindigkeit aus. Ich nickte verständig und fragte: „Dieses PADD hier, Sir?“ Wolfgang Bakter schmatzte kurz mit Genuss und nickte. „Lernen Sie den Genuss des Momentes...“, meinte ich zu hören, doch ich hatte rasch das PADD ergriffen und war auf und davon. Ich wollte hier nicht meine Zeit vergeuden und runzlig werden, während ich so vor mich her rostete. Es gibt genug zu tun.

Ich dachte immer noch gerne an ihre wunderschönen, hellblauen Augen. Sie waren wie ein Sommerhimmel bei schönem Wetter. Bei bildschönem Wetter ohne störende Wolken, ohne leichte Trübung in diesem Bild. Sie schienen perfekt. Doch wiederum auch unheimlich. Es ist kaum verwunderlich, warum ich so fühle: Solche Augen sieht man nicht oft. Und auch wenn es nur die von einer willkürlich erstellten Projektion der Wirklichkeit ist spüre ich reale Gefühle. Sie steigen in mir hoch, prasseln wie Regen auf mich ein oder fressen Löcher in mein Empfinden. War dies ein Organversagen, was mir jetzt allmählich drohte? Das Organversagen des Organs für liebevolle Empfindung? Denn ich spüre in dieser kalten, stählernen Welt voller leerer Gesichter und Emotionslosigkeit keine Empfindung mehr. Leer scheint die Welt. Leer und einsam. Und nur manchmal in meinen sperrigen Träumen, an die ich mich meist nur flüchtig bis gar nicht erinnere, flammen kurz die Empfindungen von Nähe und Wärme auf. Und Hoffnung, auch diese kristallisiert sich aus einem Nichts heraus. Die Hoffnung himmelblauer Augen, die es auch nach Liebe dürstet, obwohl man doch nur aus elektrischen Schwingungen und Wellen besteht und eigentlich nicht empfinden sollte. Man tut es aber irgendwie doch. Es schlägt das Herz der Technik. Mitleid will sich manifestieren für diese armen Geschöpfe der Holografie. Mitfühlen, mitleiden und beistehen. Doch diese wissen es nicht zu schätzen. Und können es auch nicht. Eine Erleuchtung: Sie haben Mitleid mit mir. Weil ich Liebe brauche und sie nicht. Weil sie geliebt werden und ich... ich...
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Fidel Matro
 
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