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CO: Thorn P'Thall - XO: Ghjea Lii

Moderatoren: John Connor, Operationsstab

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Beitragvon RubensWolf » Mo 13. Dez 2010, 23:25

Wörter: 1588

Beteiligte Personen: PO Thomas Miller (NPC), div. Crewmitglieder von DS5



== an Bord von Deep Space Five ==

Ein lauter Knall. Nein, es war mehr der erste Ruck, der durch die Substanz der Station ging. Gefolgt von den Erschütterungen, und einem deutlich hörbaren Geräusch. Als würde Metall an Metall entlang scheren, schrill, blechern. Eindeutig war es, dass dieser Ton mit nichts Positivem verbunden war, oder etwas Gewöhnlichem. Dieses Scheren zog sich dennoch nur über wenige Sekunden hin, bevor eine kleine Woge durch die Station ging. Ich wunderte mich kurz, ob die lächerlichen Bauern um mich herum das überhaupt so bemerkten, so fühlen konnten, dasselbe hörten.
Ich schritt weiter durch die Gänge, die plötzlich mit noch mehr nutzlosen Wachen erfüllt schienen. Außer mir den Weg zu versperren, taten sie wenig sinnvoll Scheinendes. Wie aufgescheuchte aen’hnoiyika irrten sie umher, als wäre das erste Mal Licht in ihre dunkle Höhle gefallen. Ich musste mir äußerste Mühe geben, um nicht aus versehen mit einem, oder mehreren, dieser Puppen zusammenzustoßen. Zu groß war die Gefahr, bemerkt zu werden. Und langsam wurde meine Zeit knapp. Die Geißel, die mir diese vermeintliche Bewegungsfreiheit erst ermöglicht hatte, verlangte ihren Tribut. Und wenn ich mich nicht beeilen würde, wäre das mein Verstand gewesen. Und vielleicht sogar mein Leben.



Die ersten Schweißperlen begannen, auf meiner Stirn zu quellen. Die Uniform, auch wenn sie angepasst war, wurde zusehends unbequemer. Die Verrenkungen, die nötig waren um auszuweichen, wurden nimmer großer. Auch wenn die Aufwertungen des Dienstes mich beweglicher und schneller gemacht hatten, musste ich mich mehr vorsehen, als ich es wünschte. Eben lief an mir ein Trupp an Gewehrträgern vorbei, eng zusammen laufend, um das Bild einer blinden Einheit zu wahren. Ob ihnen klar war, dass sie zu hunderten, und schwerst bewaffnet waren, sich aber dennoch in ihren kleinen Grüppchen zusammenkauerten, wie niedere Lebewesen bei Kälte und Regen? Es hätte mich in meinem Stolz bestärkt, rihanha zu sein. Hätte es nicht mehr die blanke Wut in mir geweckt, genährt von der Frustration. Es gab zusehends weniger passierbare Wege, das Durchkommen wurde zur Tortur, stets musste ich auf Acht sein. Ich spürte mehr als Beobachter, denn als Besitzer, wie sich meine Hände zu Fäusten ballten. Der erste, der sich nach dem Geräusch meiner knirschenden Zähne umdrehen würde, hätte es definitiv bereut.

Ich schlich abwechselnd an den Wänden entlang, oder glitt so elegant wie nur irgendwie noch möglich zwischen den niederen Dienern hindurch. Obwohl es mir beinahe schon danach verlangte, mich nicht danach zu richten. Ein Zusammenstoß, ein Tritt, ein Schlag gegen den Kehlkopf. Es juckte in meinen Händen. Dann den Unterarmen. War es der Zorn, oder machte sich mein Zustand bemerkbar, die Nerven selbstständig? Es half nichts, darüber nachzudenken. Es galt nur, sich durchzubeißen. Durch Haut, Muskeln und Knochen. Durch Sehnen, Nerven, und Adern. Aber nicht hier, nicht jetzt. Ich werde Gelegenheit haben. Ich werde mich Laben an der Grausamkeit, die ich am liebsten an all diesen Lämmern entfesselt hätte. Es verlangte mir so sehr danach, an diesem einen Platz im Universum, zu dieser einen Zeit.
Ich kam an einer der großen Kreuzungen vorbei, an einem Platz, so konnte man es beinahe bezeichnen. An jeder der sechs Öffnungen, die zu den verschiedensten Korridoren der Station führte, standen inzwischen so viele Knaben, dass es wie ein Rudel Welpen wirkte. Und sie standen Schulter an Schulter, zusammengedrängt wie Herdentiere. Opfer der Jäger, Nahrung, Beute, Spielzeug. Und sie machten sich auch noch selbst dazu… erbärmlich.

Meine Haut juckte unter der Kleidung, und ich spürte immer mehr, wie mein Blut in meinen Adern zu kochen begann. Ein seltsames Gefühl, ich hätte es fast gemocht, hätte der süßen Verführung nachgegeben. Dem Gesang des Blutes, der sich in meinem Hinterkopf erhob, ein dunkler Chor im Schatten. Zuerst noch, jedenfalls, denn ich sah mich um, stand in mitten dieser großen Fläche, die mir gleichsam voll erschien, überhäuft mit Dingen, Stationscrew, die aus dem Weg geräumt werden sollte. Und ebenso war sie leer, schien mir brach und öde, in jede Richtung erwartete mich nur das gleiche Schicksal.
Ich fasste mir an den Kopf, riss an meinen Haaren. Ich spürte die Adern an meinen Schläfen pulsieren, den Hass und die Wut die von innen gegen meine Schädelknochen schlugen. Eine Salve nach der anderen hämmerte gegen die Grundfesten des Agenten ein, wie die Prankenschläge einer wütenden Bestie. Ich hielt es nicht mehr aus, sah mit weit aufgerissenen Augen in die ahnungslosen Milchgesichter. Der Drang, ihnen die Teilnahmslosigkeit aus den Gesichtern zu prügeln hielt sich nur noch um Haares Breite unterhalb der Toleranzgrenze. Und dann kam der Schrei. Meine Kehle war trocken und wund, als er verebbte, und mich meine Sprungkraftverstärker wie einen Torpedo in Richtung eines Ganges schossen.

Es war herrlich zu sehen. So wie der erste Tropfen Wasser für einen Verdurstenden, kurz bevor es mit ihm zu Ende geht. Ich sah sie fallen, fliegen, stolpern. Wie in Zeitlupe fiel der erste nach hinten auf die andren, ein Soldat links wurde durch die Wucht des Aufschlags nach oben und zur Seite geschleudert, prallte gegen die Decke des Korridors. Eine zeichnete sich hinter ihm ab, wie interessant! Ich sah nach rechts und lächelte vor Verzückung, als das Ellbogengelenk des Wissenschaftlers sich als weniger bruchbeständig erwies, als der Tricorder in der Hand des jungen Mannes. Und es gab was zu sehen, sogar Knochen! In der Mitte schlug der Hinterkopf eines groß gewachsenen Soldaten gegen die Nase eines kleineren, der sich dahinter befand. Und ich hatte keinen Zweifel daran, dass es ihm weh tat. Und auch keinen Zweifel darüber, dass sein Nasenbein höchst wahrschein zersplittert war. Was für ein triumphales Bild. Der Anblick allein war bereits eine Trophäe, gespeichert in den Tiefen meiner technologisierten Erinnerung.



Ein harter Schlag auf das kleine Sichtfenster der Außenhülle hinterließ einen blutigen Abdruck. Dieser kleine Ausschnitt in der metallenen Haut dieses riesigen Krebsgeschwürs offenbarte mir, dass die Mission zu Ende war. Ich erkannte dank meiner Sehkraftverstärkung, wie die Britannia sich von der Station entfernte. Und mit ihr, meine letzte Hoffnung auf das Heilmittel für meinen Durst. Nein, nicht das Heilmittel, die Droge die den Jäger in mir betäubte, kontrollierte. Das Werkzeug der Selbstzerstörung, das mir die Zügel in die Hand legte. Ich sah, wie Erie’Riov t’Eikohh der Reichweite meines Zugriffs entglitt. Warum hatte sie nicht verhindert, dass die Britannia sich entfernt? Wollte Sie mich hier zurücklassen?
Ich atmete schnell und tief, spürte wie in diesem Moment die dunkle Wolke mich umgab, fühlte wie der Sauerstoff in mein Blut diffundierte. Das Feuer in meinen Adern wurde zum Brand, es gab mir das Gefühl, als würde Antimaterie durch meine Adern fließen. Ich empfand es beinahe so, als würden die Implantate, die mich verstärken sollten, mit der Energie meines eigenen Körpers nicht mehr mithalten können.

Und dann kam er den Weg entlang, mit seinem lächerlichen Werkzeugkoffer. Der Bauer. Der Durchschnitt. Petty Officer Thomas Miller. Ja, das passte. Er war ein gutes, erstes Frühstück für den Jäger. Oh ja, das würde mir Freude bereiten. Zu sehen, wie sein wertloses Leben ein Ende hatte.
Ich sah mir beinahe selbst dabei zu, als sich meine Muskeln anspannten, kurz bevor sie sich entluden. Wie sich meine Hand in die Rillen zwischen den Verkleidungen krallte, das rechte Bein sich für mehr Widerstand gegen die Wand presste. Und dann ließ ich zu, worauf jede Faser schon so wartete, wonach jede Zelle schrie.



Er sah es nicht kommen, wie sollte er auch. Vielleicht vermochte er noch zu hören, wie ich die Luft durchschnitt, schnell wie ein Photon. Was er sicher spürte, war der Aufschlag des Jägers, der ihn gegen die Duranium-Wand schleuderte, seine wehrlose Hülle gegen das kalte Metall presste. Aus den Augenwinkeln sah ich in Zeitlupe, wie er den Koffer fallen ließ. Die Klappe öffnete sich, und die Werkzeuge feierten eine neue gewonnene Freiheit. Ein Husten, ein Schwall Blut ergoss sich über die schwarze Brust der Uniform, zeugte von der Wucht des Angriffs. Mit Genuss und Hochgefühlen sah ich, wie sich zuerst ein Werkzeug durch seine rechte Schulter bohrte, ihn an die Wand heftete. Danach trieb ich ein anderes durch das Opfer, Zentimeter um Zentimeter. Und ich genoss es.

So fixiert sah ich ihn an, wie eine Puppe an der Wand fixiert. Ich wartete einen Moment, sah die Tränen, die über seine Wangen rannen, von seinem Kinn tropften. Selbst die Kll'inghann hätten eines wie das hier zu ihrem Vergnügen verwendet. Noch bevor ich mir dessen bewusst war, hatten sich Finger meiner rechten Hand in seine Brust gebohrt, durch den Stoff verschwand sie zwischen seinen Rippen. Zuerst wichen die Tränen einem lang gezogenen Schrei, gefolgt von einem stillen, gequälten Röcheln. Doch es war so schön, so frei, so ehrlich als er erkannte, was ihm widerfuhr. Dann knackte die erste Rippe, und er erinnerte sich. Er begann wieder zurückzufallen, eine Träne. Der nächste Knochen verweigerte seinen Dienst, direkt über der Stelle, an der die erste brach. Ein Schrei, der dritte Bogen des Käfigs splitterte. Nur einer noch trennte ihn von der Erlösung, doch er verweigerte sich. Die Atmung schwer, blubbernd, tiefrot ergoss sich sein Leben aus seinen Wunden. Aber ich holte ihn zurück, machte mir Platz. Und als die vierte Rippe barst, fasste ich tiefer hinein, ein kräftiger Hieb meiner Hand. Und schon im selben Moment als sich meine Finger um sein Herz schlossen, ward es seinem Zuhause entrissen, wie der Sieg aus Schmerz und Blut geboren wurde. Ich hielt es über mich, triumphierend, manisch, und schrie und lachte aus tiefster Kehle. Die Tropfen des Menschenblutes schmeckten eisern, waren noch warm. Ich nahm die Stärke dieses Blutes in mich auf, nährte mich im Feuer des Inneren, spürte wie es sich an mein Kinn legte, den Hals entlang glitt.

Süß war die Freiheit, als ich die Hoffnung fahren ließ.
PO3 Rubens Wolf TempCSO USS Phoenix
Zeitreisender und Aushilfssoldat im Urlaub

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