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BeitragVerfasst: Sa 25. Dez 2010, 19:52
von RubensWolf
Wörter: 1426

Beteiligte Personen: div. Crewmitglieder von DS5, namenlose Romulaner



== an Bord von Deep Space Five ==

Ich hatte gewusst, dass man sich auf niemanden verlassen kann. Es war klar, und ich war ein Narr anders zu denken. Meine Gedanken rasten mit Transwarp-Geschwindigkeit durch meinen Verstand, der außer Wut und Blutdurst nurmehr wenig kannte. Ich war ein rihanha, Verrat und Hinterlist war die Gabe, die uns auszeichnete. Ich war unterwegs auf dieser stinkenden Station, um die notwendigen Mittel für unsere Arbeit zu sichern, die benötigten Schmiermittel für die Maschine, die der erdachte Plan war. Es lief so gut, als die ersten Maßnahmen unseren intellektuell unterlegenen Feind auf dem falschen Fuß erwischten. Die neuen Systeme der Britannia waren zweifelsohne auf einem hohen technischen Niveau, offenbar State-Of-The-Art, was die lloann´galae betraf. Doch gerade die neuen Komponenten waren genau das, was es uns erst ermöglichte, die Schlupflöcher auszunutzen.

Im Gedanken durchliefen die letzten Tage, Wochen, Monate meinen Geist, als hätte würde jemand den graphischen Missionsspeicher betrachten. Es fühlte sich an, als würde ein Teil von mir selbst analysieren, wie es dazu kam, dass ich hier nun wie ein primitives Lebewesen durch die Gänge streifte. Warum hatte es sich so ergeben, dass ich alleine in dieser Metallschachtel namens Deep Space Five umherstrich, wie ein Raubtier in einem Käfig? Getrieben von dem entfesselten Blutdurst, der mir komplett die Kontrolle entzog. Als würde ich selbst einem anderen Agenten dabei zusehen, wie er nicht mehr zu steuern war, abtrünnig wurde. Ich spürte, wie der Jäger in mir seine Klauen und Zähne in die immer dünneren Wände trieb, die ich um mich, mein bewusstes Selbst errichtet hatte. Und mit etwas Hilfe hätten sie Stand gehalten… doch die Steine zitterten, der Mörtel bröselte. Und mit ihm, meine Skrupel, das wenige Vertrauen dass ich hatte, die Zuversicht und der Glaube an den wenigen Zusammenhalt, den der Dienst einem Agenten bieten konnte.

Plötzlich bemerkte ich, dass ich angehalten hatte, sogar schlagartig, wie mir im Nachhinein bewusst wurde. Doch warum? Kaum hatte ich mir selbst diese Frage gestellt, den beiden Entitäten in mir, lieferte mir eine davon auch schon die Antwort. Der Geruch, der in der Luft lag, war getränkt vom metallischen Geschmack des Blutes. Eine geöffnete Vene schien eine süße Botschaft zu schicken, eine morbide Einladung. Ein Gastmahl, als wäre es extra für uns bereitet.





„Nicht schon wieder…“ murmelte der Techniker, als er sich mit verzogener Miene seine Hand hielt. „Kannst ruhig etwas besser aufpassen, wenn du schon UMS in der Hand hast“, kommentierte die Technikerin neben ihm mit einem Seufzen, und einem Lächeln auf den Lippen. Oh, sie waren beide so jung… unschuldig, unwissend. Ohne Zukunft. „Ich hol mal eben den Erste-Hilfe-Kasten“ meinte die junge Menschenfrau, als sie aufstand und sich von ihrem Kollegen entfernte. Der bajoranische Tölpel hatte sich offenbar selbst verletzt. Was für eine malerische Szene es doch war, als das etwas schwächere Licht des unscheinbaren Korridors sie in eine merkwürdige Stimmung tauchte. Wie sie sich mit dem Geweberegenerator über ihn beugte, seine Hand damit bearbeitete. Er sah zu ihr hoch, dankbar, lächelnd, als würde er sie anhimmeln. Sie sah mit sonderbarer Sanftmut auf ihn hinab, seine Hand, hielt seinen Arm mit zarten Fingern. In dem dumpfen, gelbgoldnen wirkenden Licht schienen sie in einem Zeitlosen Moment gefangen, in dieser einen Geste des Mitgefühls, der Zuneigung womöglich. Es wäre für viele, naive Leute wohl ein wunderbarer Anblick gewesen. Sehr idyllisch. Für uns? Der zweite Gang.

Doch plötzlich wurde die märchenhafte Sanftmut der beiden durchbrochen. „Siehst du das auch?“ fragte die junge Frau, als sie in meine Richtung deutete. Der Techniker sah ihr nach, kniff die Augen zusammen als müsste er eine Sehschwäche ausgleichen. Hatten die beiden Opfer uns entdeckt? Es war egal, irrelevant. Sie konnte nicht widerstehen, sich nicht wehren. Es hätte keinen Sinn ergeben, und sie hätten nichts, dass sie uns anbieten konnte. Außer das Wimmern, als wir auf sie zuliefen, die Frau von ihm stieß, sie den Korridor entlang flog und unsanft über den Boden schliff. Wir sahen hinunter, zu dem erstarrten Mann, sahen die Furcht in seinen Augen. Weit aufgerissen waren seine Lider, gaben einen direkten Blick frei, ließen seine grüne Iris gerade zu leuchten. Ein beherzter Griff an seine Kehle entrang ihm ein unbeholfenes Jauchzen, danach ein panisches Gurgeln, als sein Atem ihn verließ. Es erforderte nicht viel Mühe, um ihn an dem schmalen Nacken nach oben zu ziehen, auf seine unbeholfen zitternden Beine. Seine Arme umfassten die Hand, die seine Kehle in eisernem Griff hatte. Ein kurzer Blick zur Seite offenbarte, dass die Frau sich wieder aufrappelte, hustete, ihre Mühe hatte sich zu fassen. Ein kurzer Ruck der Faust, ein Husten, und schon quoll die dunkelrote Essenz aus der Kehle des Technikers, gemeinsam mit dem letzten Lufthauch, der seine Lungen verließ. Es war einfach, einem bah'jorann das Genick zu brechen.

Schade, es gab uns wenig Befriedigung, ihm das Leben zu nehmen. Es war zu schnell vorbei gewesen. Effizient, ein einziger Griff reichte, um es zu beenden. Doch sie war noch über… kleine amnaita, tapfer aber einfach dumm. Sie nimmt irgend eines ihrer Geräte in die Hand, richtet es in unsere Richtung, als wäre es ein Phaser. Törichtes kleines Ding, beinahe niedlich war sie, als das Instrument an der Spitze rot zu leuchten begann. Kurz vernahmen wir ein leichtes Stechen in der Bauchgegend, gefolgt von leichter Übelkeit. Und Zorn, dem innersten Drang, ihr jeden Finger einzeln zu brechen, zu sehen wie das blutige Rot von weißem Knochenmark verunreinigt wurde. An unsere Ohren drang das bekannte Knacken brechenden Kalkgewebes, nur etwas höher diesmal. Das Schreien war die Basis, aber erst dieses delikate Geräusch machte das ganze zu einer köstlichen Angelegenheit. Sie winselte, flehte um ihr Leben, kniend, weinend, zitternd. Doch sie hatte nichts zu geben, und wir hatten nichts zu verlieren. Doch es kam eine Patrouille dazu, sechs bewaffnete Kinder. Sechs Phasergewehre. Wir ließen den schaudernden und wimmernden Rest der jungen Frau zu Boden gleiten, bevor sie uns sahen. „Halt! Wer sind Sie?“ rief der erste in der Gruppe, bevor der zweite, seinem Drill zufolge, wie ein braver Spielzeugsoldat sein Gewehr anlegte, auf uns zielte. Wir mussten Grinsen, bevor wir direkt auf die Gruppe zuliefen.

Ein Strahl schoss durch den Gang, erfüllte die Luft mit ionisierten Teilchen. Er verfehlte mich um Weiten, es war egal. Möglicherweise ein Warnschuss, doch wohl eher einfach schlechte Schützenkunst. Der erste in der Runde, mit seiner naiven Frage, hatte einen roten Uniformkragen an seinem Fetzen. Der Sprung zu dem Gedanken, den Rest nachzufärben, war kein großer. Kein direkter Sprung, sondern einer gegen die Wand des Ganges, dann auf das Ziel zu brachte den Erfolg. Und vermied, dass sich ein weiterer, dann ein dritter Schuss, in das bereits innerlich brennende Fleisch fraß. Die ausgestreckte Hand trieb sich durch seinen Brustkorb, zwischen den Rippenhindurch, bevor die andere half den Rest loszuwerden. Panik und Ziellosigkeit machten sich unter den Anderen breit, genährt von dem Anblick der reinen Grausamkeit. Und Gewehre waren außerordentlich unpraktisch für den Kampf auf engstem Raum.





== irgendwo im Alpha-Quadranten ==

Die Türen des Büros öffneten sich beinahe geräuschlos, verschwanden in den Wänden und gaben eine groß gewachsene Frauengestalt frei. Die Romulanerin trat mit deutlich hörbarem, militärischen Schritt ein, nahm Haltung an. Ihr Blick war still auf die Wand vor ihr gerichtet, auf das übergroße Emblem des Romulanischen Sternenimperiums. Der ältere Mann sah von seinem Computerterminal auf, lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Vor seinem Schreibtisch stand seine Attachée, und er wurde nie müde, diesen kurzen Moment zu genießen. Die Momentaufnahme dieser außergewöhnlich attraktiven Figur. In manchen Teilen der Galaxis hätte man ein Imperium für eine Sklavin wie sie bekommen. Doch im Moment galt es, diese Gedanken auf später zu verschieben. Sein privates Holodeck war eine ausgezeichnete Investition seiner gewinnbringenden Unternehmungen außerhalb des Dienstes.

„Was gibt es?“ fragte der ältere Mann, als er die Finger an die rechte Schläfe legte, sich etwas über den schon grauen Haaransatz strich.
El'Llaudh, wir haben ein Signal empfangen, Codierung MB-Beta 7.“ antwortete die Frau, immer noch in Paradestellung, wenn auch ihr Blick inzwischen dem ihres Vorgesetzten begegnete.
„Ursprung?“ war die knappe Reaktion, kein Veränderung des Gesichtszugs.
„Gitter 552, Deep Space Five.“
“Haben wir Daten empfangen?“
„Ja. Sektion 18 beschäftigt sich gerade damit. Ergebnisse werden in knapp 48 Stunden erwartet.“
„Erstatten Sie Bericht. Persönlich.“ befahl der ältere Romulaner.
Sie nahm abermals Haltung an, den Blick starr gerade aus gerichtet, den Körper angespannt, wie eine Athletin vor dem Sprung.
„Wegtreten.“ sagte er, bevor sie sich schweigend umwandte und durch die lautlosen Türen verschwand, einen deutlichen Eindruck hinterlassend. Der Romulaner drehte sich mit seinem Stuhl zur Seite, sah durch eines der Fenster hinaus auf die Szene, die sich ihm darbot. Er seufzte laut, rieb sich leicht die grau melierten Schläfen und murmelte: „Noch ein Agent weniger…“





== Abschlusslog ==