URPGo3-Log 01-Ens Cholain Amh – CXO-SD:12113.1661

CO: Thorn P'Thall - XO: Ghjea Lii

Moderatoren: John Connor, Operationsstab

URPGo3-Log 01-Ens Cholain Amh – CXO-SD:12113.1661

Beitragvon Yu'She » Mi 5. Jan 2011, 15:41

URPGo3-Log 01-Ens Cholain Amh – CXO-SD:12113.1661

Personen: Lt. Thalin, Cr Ciana, Cpt P’Thall (erw.), Cmdr Huch (erw.), Cmdr Deeuard (erw.), Lt Penvera (erw.), Cr Karen (erw.)
Worte: 1.560


~ Sicherheitszentrale, Büro CXO ~


Es war weniger die Erschöpfung, die mir die Augen brennen ließ, sondern vielmehr die Tätigkeit, die mich ermüdete. Gleich der Bilder auf den Schirmen vor mir, flimmerten die Ereignisse in meinem Geist vor sich hin. Ordnung. Ich brauchte Ordnung. Trennung meiner Gefühle und der Fakten. Es war einfach etwas viel gerade und dass ich mich in meinem Büro eingeschlossen hatte mochte eigenwillig sein, doch augenblicklich konnte ich keinen anderen hier gebrauchen. Sogar der Bonsai stand auf dem Boden.

Nico und Cassanna. Endlich mal eine Chefmedizinerin, mit der ich mich einigermaßen verstand und nun das. Wie egoistisch. Als sei das dramatischste an diesem feigen Hinterhalt, dass ich mich mit einem neuen Kollegen abfinden musste. Sie hatte Kinder. Viele. Einige. Keine Ahnung. Sie hatte welche. Warum war sie da runter gegangen? Warum hatte sie nicht einen ihrer Leute geschickt? Was hatte sie veranlasst sich dieses Technikers, von dem nur wenig mehr als ein paar Atome übrig geblieben waren, selbst anzunehmen? Ich verstand es nicht. Melivin hatte es auch so gehandhabt. Grant war in den Lagerraum gegangen um die Anomalie zu untersuchen und hatte dieses Stück Romulanertechnik gefunden. Man stelle sich vor, es wäre ebenso explodiert. Der Gedanke widerte mich schon wieder an. War ihr Leben denn weniger wert als das des Fischmannes? War das Leben eines x-beliebigen Mediziners denn weniger wert als das der Oberärztin? Natürlich nicht. Ich stellte mir vor, es hätte Elis getroffen. Diese kleine Rebellin, diese verdammt gute Ärztin, die sich einfach nicht anpassen wollte. Oder konnte. Es tat mir nicht Leid, dass ich sie ihrer Chefin gemeldet hatte. Sie war ein roher Diamant, musste geschliffen werden und Vorgesetzte wie mich, die es ganz genau wissen wollten und keinerlei Skrupel hatten ihre Position auszunutzen gab es zu Hauf. Nicht zu Letzt den Captain. Ich konnte mir immerhin einbilden, dass ich sie gut leiden konnte. Auf eine verquere Art war sie mir sympathisch.
Und dann Nico, mit dem ich beinahe nichts zu tun gehabt hatte. Er hatte meinen Posten auch schon inne gehabt. Hätte mir dieser Fehler also auch unterlaufen können? War es überhaupt ein Fehler gewesen? Ich wäre doch genauso in diesen Gang gelaufen, hätte mich neben den Techniker gekniet und die Blutspuren an der Wand gefunden. Die Kameras hatten einiges aufgezeichnet, es wirkte als hätten die beiden sich in Pantomime geübt. Und dann Ciana. Diese unsichere, schweigsame Crewman, die mir durch ihre verschlossene Art schon vorher aufgefallen war. Ihr Bericht war knapp ausgefallen, der Fakt, dass sie erneut um ihre Untersuchung herumgekommen war nur Nebensache. Auf dem Bildschirm zu meiner Linken flimmerte ihre letzte Schicht im Zeitraffer vorbei. Sie saß stundenlang an ihrem Terminal. Lieutenant Borrows, dieser widerliche Kerl schikanierte sie. Und die ganze Abteilung machte mit. Je weiter die Aufnahmen in die Vergangenheit gingen, desto deutlicher wurde es. Warum war sie nicht zu Thalin gegangen? Thalin, noch so ein Fall. Während ich manipuliert, benutzt, ausgetrickst, verdächtigt und schließlich beinahe gestorben war, hatte er nichts besseres zu tun als kräftig an meinem Stuhl zu sägen. Am liebsten würde ich ihn dazu abkommandieren in den Grünanlagen dem Gras beim Wachsen zu zu sehen. Dieser blauhäutige, abgebrühte – genervt warf ich meine Hände in die Luft, meinen Oberkörper in eine beinahe horizontale Lage nach hinten und die Handflächen in den Nacken klatschen.

Es drehte sich alles immer wieder im Kreis. Die Wut in meinem Inneren schwoll an und ich könnte sie an allem auslassen, was hier kreuchte und fleuchte – zum Glück, berechneter Weise gab es hier nichts. Wie hatte das passieren können?! Wie war es dazu gekommen, warum ausgerechnet bei meiner ersten Mission?! Ich könnte ebenso alles hinschmeißen, Elis auf die Erde folgen, einsehen, dass es vorbei war. Der Entschluss der PF zu folgen, Ordmalo zu trauen, hatte all das hier unweigerlich nach sich gezogen. Auf der Erde könnte ich Rick wieder sehen. Rick. Auch er spielte plötzlich wieder eine Rolle im Reigen meiner Emotionen. Zusammengefügt sah das so aus: Meine Enttäuschung, meine Wut, meine Hilflosigkeit suchten sich Wege, die ich möglichst kunstvoll gestaltete, wie einen langen, geschwungenen, gewundenen Strohhalm für bunte Getränke, die das Glas beinahe leerten, bevor man auch nur einen Schluck im Mund hatte. Doch irgendwann würden sie ausbrechen, würden sich Luft und Raum schaffen und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mir ein Counselor wirklich helfen konnte. Nur war die einzige, mit der ich jetzt gerne reden würde bedauerlicher Weise indisponiert. Als ich zuletzt reden wollte, war es mit Rick gewesen und direkt im Anschluss waren mir um die Gelenke unsichtbare Fäden gebunden worden, auf dass ich herumlief wie eine Marionette. Was mich wieder nur noch wütender, enttäuschter und verbitterter machte. Dazu kam der Gedanke, dass auch das nicht das tragischste an der Explosion war, dass ich nun keine medizinische Vertraute mehr hatte. Und eigentlich verdiente sie diese Bezeichnung nicht einmal. Wir hatten uns kaum unterhalten, doch ich wünschte mir es wäre so.

Cianas Bild tauchte auf zwei Monitoren gleichzeitig auf. Auf dem einen saß sie allein im Dunklen auf einer Kiste. Lediglich die Wärmebildkamera hatte sie erfasst, doch ihre Körperhaltung sagte mehr, als es ein Bild in Farbe und Licht konnte. Auf dem anderen wurde sie von unsichtbarer, aber sehr starker Hand an die Wand gepresst. Ihre Lippen bewegten sich, formten Worte, eine Erwiderung. Was ich fühlte war nicht die Lust an der Jagd, nicht das Aufnehmen einer Witterung, keine Wut, dass ich schon wieder hintergangen worden war. Es war Resignation. Ciana sprach also eine Sprache, die der Computer aus irgendeinem Grund nicht erkannte. Ich sah mir die Szene an. Wieder und wieder. Von dem Moment, da sie den Gang betraten, bis es in weisschwarzes Flimmern überging. Der Ton war ausgeschaltet doch mit jedem Besehen wurde mir eines klarer: Ciana hatte etwas erkannt. Einen Zusammenhang hergestellt. Eine Erkenntnis war ihr wie eine unerwartete Ohrfeige zugekommen. Was war es? Der Techniker, der am Boden lag, Cassanna hatte eine Autopsie machen wollen. Wusste Ciana, was vorgefallen war? Die Bombe hinter der Verkleidung – wusste Ciana was sie da vor sich hatte? Sie wusste irgendetwas. Mir die letzten Tage in Erinnerung rufend musste ich jedoch feststellen, dass sie es mir nicht sagen würde. Nicht jetzt. Vielleicht nie. Sie war zu ihrer Schicht erschienen. Hatte ihre Aufgaben gewissenhaft und sorgfältig erfüllt. Es als gegeben hingenommen, dass Borrows in eine andere Schicht versetzt worden war. Vielleicht war sie erleichtert gewesen, doch das ließ sie sich nicht anmerken. Vielleicht beschäftigte sie etwas, doch das erkannte man genauso wenig. Zumindest ich nicht. Mit jeder Wiederholung, die mir zeigte, wie Cassanna in die Knie ging, Nico verzweifelte Versuche unternahm etwas auszurichten, so verzweifelt wie sinnlos, erkaltete etwas in mir. Mit jedem Frame ein Stück mehr. Es schmerzte, es war grausam, doch um zu wissen, warum ich das tat, brauchte es keinen Counselor. Ich bestrafte mich selbst dafür, dass ich es nicht verhindert hatte. Ob ich es überhaupt gekonnt hätte spielte keine Rolle. Die Chefmedizinerin und der erste Offizier wurden nach Hause geschickt, weil eine von feindlichen Agenten platzierte Bombe sie in mehrere Stücke zerfetzt hatte. Wie könnte das nicht die Schuld der Sicherheitschefin sein?

Die Erinnerung in meiner Console fiepte, rief mir ins Gedächtnis, dass mein Brückendienst begann. Würde es ihr auffallen, wenn ich sie mitnahm? Wahrscheinlich nicht besonders. Mit einer flüchtigen Bewegung hielt ich sämtliche Monitore an, griff mir das PADD, auf dem ich alle Berichte zusammengetragen hatte. Jene, die mir gegeben worden waren, jene, die ich noch abliefern musste, jene, die vielleicht niemand zu Gesicht bekommen würde und verließ das Büro, nicht ohne es zu verriegeln.

„Borrows, Sie übernehmen, Ciana, Sie kommen mit, Thalin, Sie ebenfalls.“, meine Stimme klang harsch und beherrscht. Keinerlei Einspruch duldend. Ich war beinahe die Einzige, die erholt und ausgeruht war. Der Captain hatte sich überreden lassen, ein paar Schichten auszulassen, auch wenn ich keinen Moment daran glaubte, dass er sich wirklich erholte. Cassanna hätte es verlangt. Der Gedanke schmeckte bitter und drückte auf meine Schultern wie ein ganzes verdammtes Raumschiff. Auf dem Weg zur Brücke sprach niemand ein Wort. Allgemein war es still an Bord. Jeder tat, was er tun musste. Das Lachen war verhalten, wenn es denn eines gab. Das Casino hatte ich gemieden, wozu war in meinem Büro ein Replikator?

„Thalin, Sie überwachen die Bewegungen von und auf das Schiff. Soweit ich weiß bekommen wir ein paar Neuzugänge.“, er bestätigte, doch ich hörte in den wenigen Worten, dass es ihm nicht gefiel. Gut so, du blauer Parvian.
„Und ich, Ma’am?“, Cianas Stimme klang hohl, schüchtern. Grundgütiger, wenn sie sich nicht zusammen nahm würde ich sie irgendwann aus einer Luftschleuse halten, bis sie lernte laut genug zu sprechen, damit man sie auch verstand.
„Sie sind die Ablösung auf der Brücke.“, sagte ich schlicht, Thalin trennte sich von uns und es war als würde er einen Teil der Anspannung mit sich nehmen. Doch ich brachte noch immer kein Lächeln zustande, kein Blick, keine Aufmunterung. Ciana war wie ein schwarzes Loch für all das.

Als wir die Brücke betraten, wurde der Sessel für mich frei gemacht, ebenso der an der taktischen Konsole für Ciana, die ein wenig unbeholfen daran Platz nahm. Crewman auf der Brücke – ob nun ungewöhnlich oder nicht war mir egal.
„Irgendetwas Neues?“
„Nein, Ma’am.“, kam es noch, bevor wir im allgemeinen Brüten versanken.
Ich glaube an gar nichts, außer an Wunder - oh, und an die wahre Liebe natürlich.
(Postkarte)
Das habe ich mir gerade ausgedacht, mit Lügen hat das nichts zu tun.
(StudiVz)
Pure Vernunft darf niemals siegen!
(Tocotronic)

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Yu'She
 
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