URPG – Log 01(236) – Cpt Thorn P’Thall – CO - 12114.1643

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URPG – Log 01(236) – Cpt Thorn P’Thall – CO - 12114.1643

Beitragvon Thorn P'Thall » Do 6. Jan 2011, 15:27

Worte: 2737

Die Hauptdarsteller: Cassanna Deeuard, Nico Huch, Samuel Marden, Saphira Fernandes, Elis Karen, Alexis Grant, Melivin Penvera, Avon Cholain Amh, Yu’She, Chiu Afeoth, Geoffrey Wilder

Anmerkungen: -

Charakterbild:
http://www.ithmaril.de/thorn_avatar_full.jpg

Soundtrack:
http://www.youtube.com/watch?v=4EQXEIoZrZE

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*** USS Britannia – Deck02 - Quartier des Captains ***


Setzen sie ein paar Schichten lang aus. Gönnen sie sich etwas Abstand und Ruhe. Sie haben getan was sie konnten, Sir- Hier ist alles geregelt., hatte er gesagt, und sich um ein Lächeln bemüht. Lieutenant Junior Grade Samuel Marden, dessen ewig entgegenkommenden Optimismus ich lediglich aus seiner Akte gekannt hatte, und nun persönlich zu spüren bekam. Bemerkenswert, auf wen man so aufmerksam wurde wenn die vordere Reihe, die erhabene Riege der Erstbesetzung, schrumpfte. Würde er mir bald an einem grellweiß gedeckten Tisch beim Führungsdinner gegenübersitzen, während ich mir alle Mühe gab einen wohligen Anschein von Vertrautheit aufzubauen? Wie lange würde es danach dauern bis er im Äquivalent eines Sarges hastig ausgeflogen werden würde?
Särge. So waren mir die beiden medizinischen Stasiskammern vorgekommen, hinter deren milchigem Glas und zahllosen Kabeln, Projektoren und Injektoren ich die scheintoten Körper meines ersten Offiziers und meiner Chefmedizinerin zu erahnen geglaubt hatte.
Anweisung des Chefarztes?, war es mir durch den Kopf gegangen, und Mardens Blick hatte dem meinen eindeutig geantwortet. Anweisung der Chefärztin. Ich verabschiedete mich wortlos, von den Lebenden, und jenen die am Rande davon Wache hielten, zum dutzendsten Mal, zum letzten Mal- stumm wie eh und je. Der Mann hatte Recht gehabt, nicht mit dem was er sagte, sondern dem was er dachte. Lobenswert, dass sie beim Oberkommando die schnellstmögliche Verlegung der beiden durchgedrückt haben, dorthin wo man ihnen am besten helfen kann, unter Aufwand eines ganzen Schiffes. Schön, dass es sie zu kümmern scheint, auch wenn sie wie ein Eisberg in der Pampa herumstehen, wie bestellt und nicht abgeholt, dabei hoffentlich mehr empfindend als sie sagen. Aber es reicht. Sie stehen im Weg, und man beginnt allmählich zu tuscheln. Hauen sie schon ab.
Nicht dass ich wirklich auf den Mann aus der zweiten Reihe gehört hatte. Die Gelegenheit, für einige Schichten abzutauchen, war verlockend und schlüssig zugleich gewesen, und eine paradiesische Unmöglichkeit obendrein. Ich hatte natürlich weitergemacht, solange es etwas zu tun gab, lediglich die Distanz erhöht, war selbst aus der ersten Reihe zurückgetreten. Das Rampenlicht mochte mir gefolgt sein, aber dort war es ruhiger gewesen, kühler. Ohne dass es weniger zu tun gegeben hätte.

Auf die Männer der zweiten Reihe. Die Worte schossen mir auf Andorii durch den Kopf, und andorianisch war auch das fatalistische, halbe Lächeln, kaum mehr als eine Regung in meinem Mundwinkel, ehe ich einen Schluck aus dem kristallklaren Glas nahm, das blaue Feuer in meine Kehle leerte, den Blick in die Dunkelheit meines einrichtungsarmen Quartiers gerichtet hielt.

Doch die Dunkelheit war keineswegs leer und leblos- dafür sorgte mein geistiges Auge. Vor jenem spielte sich ein absurdes, regloses, stummes Dinner ab. Huchs knabenhaftes, ausdrucksarmes Gesicht, bemüht um mannhaften Bartwuchs, aber noch keineswegs am Ziel, und Deeuards immerwährendes, professionell-überzeugendes Lächeln. Noch hatte ich sie nicht ersetzt, also waren sie hier bei mir. Die dritte Gestalt, vager- Fernandes. Saphira Fernandes. Warum? Ich hatte am Rande den Nachnamen des Captains der Everlast registriert. Die Assoziationen waren so zahlreich wie irrelevant, bedeutend schien daran nur eine inzwischen verblasste Zurückgelassene, Erinnerungen an einen Undinen, die terranische Arktis, eine Geiselsituation, ein gerettetes Leben, und eine gebrochene Seele. Würden auch die beiden anderen Gestalten, die ich noch immer, und selbst in meinem Kopf nur mit ihren Nachnamen betitelte, diese neuerlich Zurückgelassenen, ebenfalls in so kurzer Zeit zu verblassten Symbolfiguren werden, ohne Ausdruck und Farbe, wie Grabsteine? Möglich. Ich nahm es mit der stummen Gelassenheit eines distanzierten Analysten hin, der nur seinen Job machte.

Doch zunächst? Auf jene, die wir Zurücklassen. Der nächste Schluck brannte auf meinen geistesabwesend verzogenen Lippen, das selbe, zynische Lächeln, bedauernd aber reuelos. Ich blinzelte hinaus ins belebte Dunkel, die Fühler nachdenklich angelegt.

Der Kreislauf der Kommandokette. Manche gingen, andere rückten nach, einige blieben, auf Gedeih und Verderb. Doch selbst diese hatten sich irgendwann dem Prinzip von Verschleiß und Nachschub zu unterwerfen. Nachschub. Ich musste mit einem Mal an Crewman Elis Karen denken, die erst kürzlich diszipliniert worden war, aus einer Situation heraus die sicher zum beträchtlichen Teil den Umständen zu verdanken gewesen war. Sanft, aber bestimmt, wie es Deeuards Art war. Und nun ernsthaft für eine Empfehlung für eine Aufnahme an der Sternenflottenakademie in Erwägung gezogen wurde, weil sie sich zeitgleich in ihrem Fachgebiet über alle Maßen hervorgetan hatte. Ihre Überqualifikation für einen Mannschaftsdienstgrad stach jedem, der sich mit ihrer Akte und ihrem kurzen Dienst an Bord Vertraut gemacht hatte, wie ein Dorn ins Auge. Es gab wenige effiziente und logische Wege, auf die man sie schicken konnte, ohne das Gefühl zu haben ein zerknülltes Häufchen Potenzial in den Papierkorb zu versenken. Mein bevorzugter war, sie der Akademie zum Fraß vorzuwerfen. Wenn sie es dort zu einer Offizierin brachte würde sie gelernt haben, weshalb Hierarchie und militärische Disziplin auf Raumschiffen unerlässlich waren… und zu formidablem Nachschub werden. Wenn nicht, dann nicht. Ich konnte nicht behaupten dass es mich sonderlich kümmerte, aber behauptete sehr wohl, wenn nicht gar steif und fest, dass ich darin verdammt nochmal objektiv richtig handelte, um dem System und ihren offensichtlichen Qualitäten gerecht zu werden. Welchem System? Oh, richtig.

Auf Verschließ und Nachschub. Das Ale brannte erneut auf meinen unangenehm trockenen Lippen, mehr noch als in meiner Kehle, wärmte, ließ mich durchatmen, wollte aber nicht beflügeln, ließ meinen Kopf so schwer zurück wie er zuvor gewesen war. Ich arbeitete weiter, wie ein Programmierer der noch immer funktionierenden, aber durch zahlreiche Fehlverknüpfungen, Unsauberkeiten und überflüssigen Datenfragmente belasteten Code bereinigte. Das Programm lief und tat für jeden andere sichtbar seinen Zweck, aber nur auf diese undankbare Art und Weise, indem ich meine Gedanken Zeile für Zeile durchging, konnte ich gegen die Fäulnis darin ankämpfen. Und ausnahmsweise hatte ich Zeit.

Nachrücken. Im Geiste trat ich in die hinterste, undankbarste Reihe zurück, keineswegs verdrängend dass es für ihre Bewohner irrelevant war, dass auch ich einmal dort gestanden hatte. Es war nicht ihre Pflicht, so weit zu blicken, über die Erfüllung ihrer Pflicht hinaus so viel Verständnis aufzubringen. Es war natürlich auch nicht Crewman Grants Pflicht gewesen, damit also auch nicht erwartet worden. Weshalb also die Geste? Vielleicht, weil Huch es so gemacht hätte. Oder weil es Deeuards Naturell gewesen wäre. Ich hatte sie, scheinbar aus einem Impuls heraus, kalkuliert zum Bauernopfer gemacht, ohne bis heute zu wissen ob es einen Unterschied gemacht hatte- Und ich würde es nie erfahren, wie so vieles andere wohl auch. Nach ihrer bemerkenswerten Beteiligung an der Saboteursjagd, nach diesem Sprung ins Kalte Wasser, den konspirativen Sitzungen inmitten von Führungspersonal und anderen Offizieren, hatte ich sie kurzerhand mit einer Nacht in der Arrestzelle belohnt, als minderes, vielleicht unnötiges Täuschungsmanöver. Was war also zu tun gewesen? Ich hatte ihr das neue Rangabzeichen persönlich vorbeigebracht, gleich mit der Nachricht bezüglich ihrer Beförderung zum Crewman, ein schneller aber verdienter Schritt auf dem Weg, den sie sich ausgesucht hatte. Einige fast entschuldigende Worte verloren, ihr zu ihrer guten Arbeit gratuliert. Hatte mich darauf konzentriert, kühl zu bleiben, makellos, vorbildlich, so sehr ich mir der Fruchtlosigkeit bewusst war, hatte ich ihr doch weder etwas Neues erzählt, noch mehr für sie getan als sie ohnehin verdiente. (Ob sie wohl PO Wilder gekannt hatte?) Der trotzige Funke in ihren dunklen Augen hätte mir vielleicht eine kleine, ersehnte Strafe sein sollen, hatte mich jedoch an meiner kalten, müden Fassade vorbei nicht erreicht. War ich wirklich bei ihr gewesen weil es Huch oder Deeuard so gemacht hätten? Nein, ich war bei ihr gewesen weil sie es nicht mehr übernehmen konnten. Am Ende eine der zahlreichen, kleinen Aufgaben in jenen hinteren Reihen, denen ich mich in meinen Freischichten gewidmet hatte, weil auch ich jemandem trotzen wollte. Und seien es nur meine eigene körperliche Verfassung und Lieutenant Marden gewesen.

Auf die Bauernopfer. Ich lächelte nicht mehr, nahm dafür einen umso kräftigeren Zug.

Ich kam mir einen Augenblick lang regelrecht schuldig vor. So beschäftigt mit jenen, die gingen, und denen, die nachrückten, dass ich diejenigen vergaß die noch da waren. Penvera zum Beispiel. Doch wo war auch sein Platz an dieser Tafel? Er brauchte keinen, wollte scheinbar keinen, lebte in seiner eigenen Welt, in jener der Maschinen. Und ich beneidete ihn um den Fokus den es ihm bot, den Fixpunkt. Er war ein Teil davon, verschmolz damit, schien selbst eine gut geölte Maschine zu sein, die jedes ihm in den Weg geworfene Hindernis der letzten Wochen einfach mechanisch weggearbeitet hatte. Ich würde lügen, wenn ich behauptete dass mich das störte. Funktionalität war eine der Tugenden, welche ich am höchsten von allen schätzte, und ich hatte verdammt noch mal besseres zu tun als seine potenziell zu beeinträchtigen, indem ich das Bild das er abgab zerdachte, anstatt ihn als das zu akzeptieren als was er sich präsentierte: Als überlebenswichtige Komponente des schlagenden Herzens dieses Schiffes, aber nicht seiner Seele.

Ganz anders sein polares Gegenstück, Ensign Amh. Ich nahm einen Schluck außerhalb der Zugfolge, musste das Glas einmal mehr bedächtig weit neigen. Wenn es jemanden gab, der dazu bestimmt war, einen zum Guten oder zum Schlechten hin wichtigen Teil der Schiffsseele auszumachen, dann war es diese kontroverse Figur- ich glaubte nicht an Schicksal, aber wenn ich es täte, wäre Leiden eindeutig das ihre, wertungsfrei hinsichtlich ihrer Selbstbeteiligung in diesem Vertrag. Schwer auszudenken, in welchem Zustand mich eine erste Mission als Sicherheitschef zurückgelassen hätte, die mir so übel mitspielte. Manipuliert, gebrandmarkt, isoliert, zur Tatenlosigkeit verdammt, geistig durchleuchtet, und dann… der Schlussakt, die Tragödie. Wenn es jemanden gab, der hier sitzen und mir dabei helfen sollte, die Aleflasche und diesen Irrsinn wegzustecken, dann wäre sie es. Die Ironie daran? Ich wüsste nicht, wie ich ihr oder sonst jemandem begreiflich machen sollte, warum. Ganz abgesehen davon dass es mir einen Zacken aus der Krone brechen würde, mit dem mich im Anschluss jemand locker erdolchen könnte. Nein, es war kaum anders als mit Crewman Grant. Sie alle brauchten inmitten all dieses Irrsinns ihre Trugbilder, ihre Symbolfiguren, und sei es nur die ewige, plumpe, flache, simpel gestrickte Unerschütterlichkeit eines Captain P’Thall. Ich war hier um ihnen und der Flotte den besten Dienst zu erweisen den ich konnte, und ich sollte verdammt sein wenn ich mich dazu hinreißen ließ, all der Paranoia, Zerstörung, all der Aufgewühltheit und Verwirrung noch einen Kommandierenden Offizier zu geben, bei dem man nicht wusste, was man von ihm halten sollte.

Auf jene, die geblieben sind. Der letzte, nach meinem Gusto zu kleine, unbedeutende Schluck Ale ergoss sich in meine raue Kehle, ehe ich das Glas leise abstellte, ohne hinzusehen nach der Flasche griff. Meine in diesem Moment ungelenke, schwarz behandschuhte Hand streifte ein in den Schreibtisch eingelassenes Eingabepanel, holte das System aus dem Standby.

Der Raum entflammte in Hologrammen und zum Leben erwachten Konsolen. Protokolle meiner Kommuniqués mit dem Oberkommando, die neuen Befehle, die Akten der beiden Offiziere welche nachrückten, und mit denen ich mich am Morgen auseinanderzusetzen hatte, gefasst, gepflegt und schneidig wie immer, entschlossen, unverrückbar, der erste Eindruck eben. Doch da war mehr. Zahlreiche schwebende Holoschirme, Projektionen, Unmengen an gesammelter Daten- Die interessante Hälfte der Sternenflotteninformationen über die Tal’Shiar, ihre Aktivitäten, Geschichte, Konfrontationen, Methoden, viel zu wenig, viel zu viel. Technische Spezifikationen der Sovereign R3. Sporadische Gadryglis-Datensätze. Eine Abhandlung über die Elanar. CI-Berichte mit dem Label „romulanische Geheimoperationen; 2394 – 2396“.
Ich blickte mich mit einem fatalistischen Lächeln um, rahmte jeden einzelnen der Informationscluster nacheinander als Spiegelung in die Corona meiner glänzenden Augen. Ein Puzzle. Die Arbeit zahlreicher freier Schichten. Eine chaotische Widerspieglung dessen, was sich in meinem Kopf abspielte. Voller Aussagen, bar jedes Ergebnisses. Nein, ich bildete mir nicht ein einen besseren Job zu machen als Ventral Intelligence, als der Wissenschaftsrat, in diesem Zustand schon gar nicht. Was zählte, war die Tätigkeit der Verarbeitung an sich. Was zählte, war also die Verdauung, ohne Aussicht auf die finale Ausscheidung eines Endergebnisses. Ein Versuch, sich einer Tätigkeit zu widmen, die meinen Kopf klären und dabei nichts kaputt machen würde.

Auf die… Verdauung? Ich hob das Glas an, hielt inne, senkte es wieder, und griff mit einem trockenen Schmunzeln endlich nach der Flasche.

Nein, bei allem was recht war, das letzte was ich brauchte war ein tiefer Fall aus der Rolle, waren Risse in der Fassade, Makel auf dem Symbolbild. Ich hatte genug davon angesammelt, brauchte nicht auch noch bewusst dazu beizutragen. Vor allem nicht jetzt. Ein stumm anklagendes Zeugnis starrte mich von der zentralen Schreibtischkonsole aus an, frisch zum Leben erwacht, ein unvollendeter Subraum-Verbindungsvorgang. Wohneheim und Name der Kadettin waren noch immer im Register angewählt, es fehlte nur eine einzige Angabe. Sie würde auch weiterhin fehlen. Yu’She. Blaue Flüssigkeit floss in einem warm erleuchteten Rinnsal in das Glas, tröpfelte schließlich, dann ließ ich die leere Flasche verschwinden. Wie passte sie in das Bild, das ich zeichnete, um dieses ganze tumoröse Gewirr darin einzuordnen? In den Kreislauf jener die gingen, jener die blieben, jener die nachrückten, in Verschleiß und Nachschub? In den ewig gleichbleibenden Bedarf nach Symbolbildern und Fassaden, und in das Konzept Wahrheit- wo sie eine der wichtigsten Wahrheiten noch immer nicht erahnte? In einer Zeit, die ich mir nahm, um alles und jeden zu durchdenken und Klarheit darin zu finden, wollte ich darüber nicht nachdenken. War sie meine Symbolfigur geworden, ein Bildnis von Unschuld, von zurückgelassener, wohl behüteter Geborgeheit?

Ich gab mich damit notgedrungen zufrieden und nahm einen Schluck auf die Symbole, dann einen weiteren, stellte das erneut leere Glas beiseite. Atmete scharf aus, lehnte mich zurück. Die über die Stuhllehne hängende Uniformjacke fiel zu Boden. Ich machte mir nicht die Mühe, sie aufzuheben.

Tun sie etwas lebensbejahendes., hätte Cassan… hätte Deeuard wahrscheinlich gesagt. Ich hörte die Worte klar, deutlich, freundlich und wohlartikuliert in meinem Kopf, auch wenn ich sie ihr nur in den Mund legte. Ich war sicherlich nahe dran gewesen. Dabei dachte ich nicht einmal wirklich an das zufällige Treffen mit Afeoth, als ich die letzten Arbeiten an dem beschädigten Holodeck überwacht hatte, an das in ihren mandelförmigen, dunklen Augen liegende, professionelle, nüchterne Angebot, das ich auf selbe Art abgelehnte wie sie es ausgesprochen hatte. Unformuliert und zur Unausgesprochenheit verdammt, wie viele andere Bedürfnisse auch, unser Opfer an die Professionalität. Gut, genau genommen dachte ich nun doch daran. Und an den unvollendeten Ruf in Richtung Erde, San Francisco. Und an ein Dutzend anderer Möglichkeiten. Stattdessen war ich hier, und tat, was ich für richtig hielt, und damit richtig war.
Ich analysierte. Lernte. Durchdachte. Versuchte mir klar zu werden. Reflektierte. Kalkulierte. Es zählte ausnahmsweise weniger das Ergebnis, was zählte war der Akt. Denn insgesamt betrachtet... war es wohl hauptsächlich ein Gedenken. Ich gedachte. Dem Opfer der Toten (Petty Officer Geoffrey Wilder, Technikabteilung, rief ich mir in Erinnerung- nicht Commander Nico Huch und Lieutenant Commander Cassanna Deeuard. Ich hatte erst im Laufe des Tages die Nachricht an seine Familie verschickt, meine Erste im Sternenflottendienst), dem Opfer jener die wir zurückließen, den Opfern jener die blieben, die nachrückten, die kamen und gingen. Es mochte die Art der Anderen sein, Opfer mit etwas Lebensbejahendem zu würdigen. Ich hatte indessen etwas hochzuhalten. Eines der vielleicht letzten verbliebenden Symbole.

Geoffrey Wilder , Cassanna Deeuard, Nico Huch, Yu’She, Samuel Marden, Saphira Fernandes, Elis Karen, Alexis Grant, Melivin Penvera, Avon Cholain Amh, Chiu Afeoth… Die Liste wuchs, einen Namen um den anderen, hörte nicht auf bis ich nach dem leeren Glas griff, die Augen zusammenkniff, eine Schublade öffnete.

Kurz darauf schob ich sie wieder zu, die volle Flasche darin unangetastet. Erhob mich langsam, die Züge reglos, wischte die Hologramme und Schirme aus dem Handgelenk beiseite, deaktivierte sie mit einer einzigen Geste. Hob meine Uniformjacke auf, warf sie mir über die Schultern. Das Chronometer beichtete mir enthusiastisch, dass ich noch sechs Stunden bis Schichtbeginn hatte, bis ich mich mit jenen beschäftigen durfte, welche nachrückten.

Ich fand mich im grell erleuchteten, kalten Hygienebereich wieder, hob meinen Kopf aus dem Wasserstrahl und Gehäuse des Waschbeckens, blickte in den Spiegel. Rinnsale klaren, eiskalten Wassers tropften mein Kinn hinab, meine Nasenspitze, liefen von klatschnass angelegten Haarbüscheln auf mein rotes Longsleeve und die locker über den breiten Schultern liegende, grauschwarze Jacke. Meine Lippen verzogen sich angesichts des dichten und deutlichen Stoppelgewirrs an meinem Kinn, den Wangen, und jenseits der Oberlippe zu einem strafenden Halblächeln, ehe ich zu der frisch geschliffenen Rasierklinge griff, nach vollendeter Arbeit anschließend zu dem Rasierapparat der mein Haupthaar seit Jahren präzise gestutzt hielt.

Ein Gedanke, ein Knoten, ein tumoröses Codefragment nach dem anderen, fiel in das Hygienebecken. Klammerte sich hartnäckig an die glatte, feuchte Wölbung, bis sie alle mit dem letzten Wasserstrahl vorerst im Ausguss verschwanden, bis zum nächsten Mal. Das Chronometer am Bett bestätigte eine Weckzeit, die mir großzügig Zeit für eine Wasserdusche lassen würde.

Danach ging ich schlafen.
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Captain Thorn P'Thall
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Mister Leonard Boothby
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MCPO Richard Allan Santiago

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