URPG-Logs o2- Cpt. P’Thall/Ens. Amh – CO/CXO – 12116.2165

CO: Thorn P'Thall - XO: Ghjea Lii

Moderatoren: John Connor, Operationsstab

URPG-Logs o2- Cpt. P’Thall/Ens. Amh – CO/CXO – 12116.2165

Beitragvon Yu'She » Sa 8. Jan 2011, 20:40

URPG-Logs o2- Cpt. P’Thall/Ens. Amh – CO/CXO – 12116.2165

Personen:Anwesende der Trauerfeier, Cmdr Esh’Valar (erw.), Lt Neal (erw.)

Worte:
Thorn:1.128
Cholain: 990



*** USS Britannia – Deck 02 – Quartier des Captains – Am Morgen ***

Ich fand mich abermals vor dem Spiegel meines großzügigen Hygienebereiches wieder, blickte in ruhige, fahle, eisblaue Augen. Die Fingerkuppen meiner Rechten strichen über mein glattrasiertes Kinn, fuhren die deutlicher gewordene Knochenstruktur meiner Wangenknochen, des Nasenbeins, des Unterkiefers nach, glitten schließlich durch frisch auf militärischen Präzisionsschnitt herunter geschorenes Haar. Meine Züge blieben gefasst, mein Verstand war so klar wie es gerade wohl nur ging, ein Umstand welchen ich dem Verlauf der Nacht und den fünf Stunden ruhigen Schlafes zuschreiben durfte. Nur meine Lippen bewegten sich stumm.

Wir haben uns heute als Vertreter der Mannschaft zusammengefunden, welche Petty Officer Third Class Geoffrey Wilder die seine nannte- Vorgesetzte, Kameraden, Bekannte, Freunde. In tiefstem Bedauern und aufrichtiger Trauer darüber vereint, dass Mister Wilder, ein vielversprechendes, treues, fleißiges Mannschaftsmitglied, so lange vor seiner Zeit dem Leben entrissen wurde…


*** USS Britannia – Deck 14 – Shuttlerampe 2, Ebene A – Zwei Stunden später ***

… das Universum gibt, das Universum nimmt. Wir alle sind Sternenstaub, und Sternenstaub ist alles, was wir hinterlassen werden, darin eines Tages wieder vereint. Doch was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben.

Die Schlussworte meiner Trauerrede hallten in meinem Kopf nach, während ich an dem sanft pulsierenden, bläulich-transparenten Kraftfeld vorbei in die Weite der Sterne der nördlichen Föderationsgrenzen starrte, in welche wir den Sarg des Petty Officer entlassen hatten. Zwei ebenso in feierliche Gala gekleidete Sicherheitsoffiziere falteten die Föderationsflagge, welche das torpedoförmige Gehäuse bedeckt hatte, zu einem präzisen Dreieck. Ich nahm es mit einem langsamen Nicken entgegen, um es auf der Erde schließlich seiner Familie zu überreichen, wie es deren Wunsch war. Ebenso wie der Rest dieser Zeremonie- eine alte Raumfahrersippe. Natürlich würden sie auf der Erde selbst noch einer Zeremonie beiwohnen, doch soweit ich es aus dem Nachrichtenaustausch entnommen hatte legte vor allem sein Vater, der pensionierte Lieutenant-Commander Wilder, sehr viel Wert auf eine zeitnahe Raumbestattung am Orte seines Dahinscheidens, zeremoniell begangen in ältester terranischer Flottentradition.

Als ich den gefalteten Stoff an Lieutenant Rangaraj weitergab, die ihn auf mein Quartier bringen würde während ich anderen Angelegenheiten nachging, sah ich mich in dem Hangar um. Die Trauergäste hatten sich längst zerstreut, verließen das Deck, nur wenige waren noch zu sehen- doch unter ihnen war, wie ich erwartet hatte, jemand auf den ich die kommenden Stunden und Tage ein besonderes Auge zu werfen beschlossen hatte, aus einer Form der Verwandtschaft im Geiste heraus, welche an sich keine persönliche Sympathie erforderte. Ich schickte die Navigatorin los und trat an die Sicherheitschefin der Britannia heran.

„Ensign Amh.“





Ich hatte gewartet. Bis die Trauerfeier angefangen hatte, bis sich die Crew zerstreut hatte, bis sich der Captain umgewandt hatte. Alles war nacheinander geschehen, wie es immer geschah, doch der graue Schleier, kaum zu sehen und doch so schwer, hatte sich nicht heben wollen. Seine Galauniform sehend fühlte ich mich in meiner deplatziert. Als gäbe es hier irgendwas zu feiern. Hurra, wir sind die Saboteure los. Aber um welchen Preis?

„Captain. Bewegende Rede.“

Unter anderen Umständen hätte das zynisch klingen können, tat es in diesem Augenblick jedoch nicht. Sein angedeutetes Nicken war wohl alles, was ich als Erwiderung bekommen würde und mehr gab es dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Gar nichts, nämlich. Da wir beide wussten, was zu tun war brauchte es auch dafür keine Worte und ich schloss mich nach einer halben Drehung seinen Schritten an, Richtung Turbolift.

„Die Flugkontrolle von DS5 hat soeben den planmäßigen Start des Shuttles bestätigt.“





Ich nickte abermals, zufrieden mit der starren Maske, die abermals wie angegossen saß- schon den ganzen Tag. Kein Grund, darauf herumzureiten, dass die Rede wie ein mühevoll personalisierter Vordruck gewesen war- das Zeremoniell der terranischen Militärorganisationen, oder solcher die gerne als solche durchgehen würden ohne sich dazu zu bekennen, reichte in einigen Bereichen in Sachen Formalisierung an das andorianische heran.

„Gut. Die üblichen Sicherheitsmaßnahmen. Keine Ausnahmen für runde Rangpins.“ Prinzipiell war es widersinnig, dass wir noch immer von der Station abgedockt blieben. Ich erklärte es Harris damit, dass die Britannia meiner Einschätzung nach aufgrund von möglicherweise zurückgelassenen Hintertüren und Fallen des Saboteurs, oder schlimmer noch, der Saboteure, noch immer ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellte. Die Wahrheit, in welche Amh natürlich eingeweiht war, war jedoch weitaus banaler und pragmatischer: Bei den „Sicherheitsstandards“, welche auf DS5 als solche durchgingen, hatte ich keine Lust es darauf anzulegen, dass es wirklich nur ein Tal’Shiar gewesen war. Die Britannia war vermeintlich sauber, und sollte es verdammt nochmal auch bleiben.

Wir betraten den Turbolift, hinter uns schlossen sich zischend die Türen. Mein Blick fiel auf Amh, schätzte sie einmal von den Stiefelspitzen bis zum Haaransatz ein, und sprach im Hinblick auf die Bedeutung meiner folgenden Worte Bände. „Wie halten sie sich?“ Keine Floskel, keine falsche Höflichkeit, und kein Interesse an ihrem Privatleben, das sie meines Erachtens nach ohnehin nicht brauchte. Aber durchaus ein dienstliches und privates Interesse an ihrem Umgang mit Geschehnissen, von denen ich exakt wusste, wie sie mich an ihrer statt treffen würden. Nicht dass sie mich nicht ähnlich hart trafen, wenngleich auf einer veränderten Ebene… aber sie war ein Mensch. In meiner Einschätzung gab es da keinen Raum für politische Korrektheit.





Das leise Surren des Turbolifts erfüllte die Kabine wie einen Bienenstock, deren fleißige, kalt leuchtende Bewohner in Wellen aufwärts flogen. Einen Moment blickte ich weiter gerade aus, wiederholte die Worte im Geist, blinzelte. Dann wandt ich den Kopf, sah in das unveränderte Eisblau seiner Augen ohne die Mine zu verziehen. Ich überlegte nicht, was er mit dieser Frage bezweckte – das war offensichtlich – und auch nicht, was ich ihm antworten sollte, denn dass meine Gefühle meine Diensttauglichkeit nicht einschränkten war das einzige was ich sagen würde. Die Frage war eher, ob ich es als professionelles Interesse oder als Geringschätzung werten sollte, dass er überhaupt fragte. Vielleicht ging ich aber auch lediglich davon aus, dass es jeder einzelne auf diesem Schiff für bemerkenswert hielt, wie eine reintegrierte PFlerin reagierte. War ich zu hart, waren wir alle Monster. War ich am Ende meiner Nerven, war das der Grund unseres Scheiterns.

„Den Umständen entsprechend.“, schien mir die beste Wortwahl. „Und Sie?“, eine zu folgen zwingende.





Eine betont trockene, diskrete Anwandlung eines Schmunzelns kreuzte meine Züge. Ein kalkuliert tonloses und damit bewusst abgegriffenes „Ich weiß gar nicht was sie meinen“ folgte. Wenn sie mich zwischen den Zeilen lesen ließ, gab ich den Gefallen gerne zurück, aber am Ende waren weder meine noch ihre Worte in Sachen Enträtseln wirklich fordernd. Wir funktionierten. Ende der Sitzung.

Mein Blick fiel auf das frisch hervorgezogene und ausgeklappte Holopadd, und die darauf abgerufenen Akten, während der Turbolift auf Shuttlerampe 1 hielt. „Wie verlief der Hintergrundcheck unserer Ersatzleute?“ Meine Betonung blieb professionell kühl, beides aufdringlich genug um unmissverständlich klar zu machen was ich von diesen Umständen, und damit zum Teil schon von den Leuten, hielt. Vielleicht war das der Grund dafür, weshalb ich ansatzweise Konversation mit Amh betrieb, obwohl mir nur zu klar war dass sie sofort Bescheid gegeben hätte, wenn etwas Bedenkliches bei der Überprüfung herausgekommen wäre.

Weil Amh bei allen Widrigkeiten unserer Vergangenheit und der Mission vor einem Monat noch an jenem grellweißen Tisch gesessen hatte.





Wir hatten es nicht eilig und hielten daher ein Tempo, das wohl trotz allem nicht als Schlendern bezeichnet werden könnte, doch auch weit von zügig entfernt war.
„Nichts auffälliges. Commander Esh’Valar Aliskaer Nofrael Szin war so freundlich sich in der Crewliste als Szin Valar einzutragen. Sie können ihm eine Freude machen, wenn Sie ihn Esh’Valar nennen und Melivin, wenn er ihm ein paar seiner Köder abgibt.“, ich hob den Blick nicht wie sonst um mir eine Reaktion abzuholen, die in Thorns Fall erneut aus einem trockenen Schmunzeln bestanden hätte, sondern ließ ihm den Vortritt durch eines der Schotts, ehe ich wieder aufschloss und weiter sprach.
„Zuletzt arbeitete er an einem Forschungsprojekt für Starfleet Science. Es ging dabei um Auswirkungen von Zeitreisen auf raumfahrende Wesen – soweit ich das verstanden habe.“

„Lieutenant Neal ist einer der Neuzugänge, wie sie jeder Sicherheitschef liebt. Verheiratet, Vater, unauffällig, lückenlose Laufbahn. Sein letztes Engagement hatte er auf der USS Carrington, anschließend ließ er sich auf DS5 versetzen. Es steht zwar nichts darüber in den Akten, aber ich nehme an, dass er auf der Carrington seine Frau kennenlernte und die Tochter auf DS5 geboren wurde. Würde zeitlich passen. Seine Frau Jade ist Technikerin, Ensign A.D. Wenn Sie mir die Vermutung erlauben: Klein Lucy wird nicht als Einzelkind aufwachsen.“, erstaunlicher Weise war das das interessanteste über diesen Mann. Und auch das relevanteste. Seine Akte war nicht mal so unauffällig, dass es mir aufgefallen wäre. Dass ich nicht nur ihn, sondern auch gleich Jade Neal und Lucy, sowie sämtliche Erzieher geprüft hatte behielt ich für mich.





„Fazit: Sie haben sich gründlich gelangweilt, als sie den Background-Check durchgeführt haben, Ensign.“ Ich nickte abermals nur knapp und aussagearm, fand mich in meinem erbärmlich unvollständigen Eindruck bestätigt. „Gut. Irgendetwas darüber, was sie auf DS5 so entbehrlich gemacht hat, dass sie uns vorgeworfen wurden?“ Aber was erwartete ich auch. Es war wie eine klatschende Ohrfeige seitens des Oberkommandos. Nein, nein, Captain P’Thall. Wir haben ja gesehen was passiert ist als sie sich ihre Führungsoffiziere von Hand verlesen durften. Die haben sie kaputtgemacht, also geben sie sich mit dem zufrieden was wir ihnen zuweisen. Mitspracherecht? Jemanden aus ihrer Crew wählen? Sie haben wohl einen Knall!

Wir betraten die Shuttlerampe über einen seitlich an der Bordwand gelegenen Catwalk, warfen zeitgleich einen Blick auf das geschäftige Treiben unter uns, und jenseits des Kraftfelds konnte man bereits das vom Traktorstrahl geleitet näher kommende Kleinstshuttle erahnen.






Mit der Hüfte gegen das Geländer gelehnt, Arme vor der Brust verschränkt und dem seitlich geneigten Blick nach unten folgte ich dem Shuttle. Bis die Andockprozedur abgeschlossen war hatten wir noch etwas Zeit.
„Nichts genaues. Bei Neal vermute ich eine eher bürokratische Intention.“, Thorns Iris blitzte in seinem Augenwinkel auf, was ich als fragenden Blick interpretierte. „Wie sich seine Akte liest, hat er das Abenteuer gesucht und eine Familie gefunden – des Menschen Wille sei sein Himmelreich. Sein erster Antrag auf die Erde versetzt zu werden wurde vor vier Jahren mit der Begründung abgelehnt, dass er noch keine zahn Jahre im Raum war und seine Erfahrung noch nicht ausgereift genug sei, um sich einen Platz hinter einem Schreibtisch verdient zu haben.“, Thorns nun deutlich von einem Stirnrunzeln begleiteter Blick ließ mich schmunzeln. „In etwa so muss ich auch ausgehen haben, als ich das las. DS5 war wohl eine Art Kompromiss, doch statt ihn dort zu lassen, bis er erfahren genug sein würde um PADDs von einer Seite des Schreibtischs auf die andere zu schieben, hielt das Oberkommando es wohl für eine gute Idee, ihn uns zu geben.“, mein folgender Seitenblick trug die Worte Sie sind nicht der einzige, dem man mit Personalverschiebung ins Frühstück pupst. mit sich.

„Valars Motive sind mir gänzlich unbekannt und ich habe keinen Schimmer, was ihn bewegen könnte die Station zu verlassen. Vielleicht ist es einfache Neugierde. Das wird er uns selbst sagen müssen.“, dass der Captain mir keinen tadelnden Blick zuwarf ließ mich schließen, dass er zum gleichen Schluss gekommen war.

Unter uns beobachtete ich in diesem Moment die Techniker, die Frachtkisten durch die Gegend schoben und ein paar meiner Leute, die ihnen dabei zur Hand gehen sollten. Zu meinem Verdruss sah ich aber auch, dass einige es nicht taten. Einer der Techniker rempelte ihn an, ich verstand nicht, was sie sagten, doch plötzlich wurden sie lauter und die Körpersprache deutlicher. Gerade wollte ich ohne die Finger zu benutzen einen lauten Pfiff durch meine Lippen schicken, als ich den Techniker „Hirnloser Muskelprotz!“, brüllen hörte und mit dem Pfiff wartete, bis er dafür eine auf’s Maul bekommen hatte. Der Mann nahm sofort Haltung an, ebenso wie alle anderen, die uns bemerkt hatten und ich sah, dass er bereits nach Worten suchte, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Bis auf weiteres in den Arrest, Petty Officer.“, meine durchdringenden Worte klangen umso deutlicher, da ich meine Körperhaltung nicht verändert hatte. Dem Techniker wurde auf und auf die Auxiliarkrankenstation geholfen, während der Sicherheitler seinen Phaser abgab und sich trolle.



Meine Augen waren verengt geblieben, während ich es nach außen hin mit der üblichen, mühelosen Gelassenheit, innerlich aber unter Hochspannung und aggressivem Tatendrang hingenommen hatte, dass Amh diese banale, aber unangenehme Situation regelte. Eine von im Schnitt eintausendvierhundertdreiundvierzig symbolischen Gesten, die mir tagtäglich abverlangt wurden. So viel zum Thema Symbole. Schließlich runzelte ich die Stirn, warf einen Blick auf das gerade aufsetzende Shuttle im Hintergrund, und gab Amh mit einem Nicken zu verstehen dass es Zeit war, ehe ich einen der offenen, kleinen Personallifts ansteuerte.

„Eins nur, Ensign.“, knurrte ich beiläufig, während ich die Kontrollen der Plattform in Angriff nahm, und hob, von ihr bestenfalls halb gesehen, eine Augenbraue.

„… Des Menschen Wille ist bitte was?

Ich glaube an gar nichts, außer an Wunder - oh, und an die wahre Liebe natürlich.
(Postkarte)
Das habe ich mir gerade ausgedacht, mit Lügen hat das nichts zu tun.
(StudiVz)
Pure Vernunft darf niemals siegen!
(Tocotronic)

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Yu'She
 
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