TEN_R03.L05_Cr_Wolf_Sci_ 12085.0236

CO: Ner'Ayez Diszra - XO: Kelav T'Rish - DXO: Youkichirou Masaoka

Moderatoren: John Connor, Operationsstab

TEN_R03.L05_Cr_Wolf_Sci_ 12085.0236

Beitragvon RubensWolf » Mi 8. Dez 2010, 01:23

Wörter: 1541

Beteiligte Personen: Cmd Ner’Ayez, Lt Masaoka, PO2 D’Mora, Cr Randall (NPC), Lu, Cardew



== An Bord der Tenjin ==

Der beißende Rauch erfüllte inzwischen die T-Kreuzung, an der wir uns gezwungener maßen wiederfanden. Die Allianz-Soldaten nahmen uns hart unter Beschuss, das Phaserfeuer erfüllte den verqualmten Korridor mit blitzenden, rot-gelben Lichtimpulsen. Ein schauderhaftes Schauspiel, geboren von Hass und beseelt von Nadion-Partikeln zwang mich dazu, die Augen zusammenzukneifen. Dieses grelle Blitzen erinnerte mich an eine Feier, deren Zeuge ich einmal auf der Erde war. Es spielte sich damals im Süden des nordamerikanischen Kontinents ab, in dem Gebiet namens Texas. Es war damals eine Feier von Traditionalisten, ein furioses Feuerwerk zum 4. Juli. Was für eine archaische Geste das doch war, wenn es mich doch gerade daran erinnerte, während mich nur eine gute Portion Glück und meine eigene Vorsicht vom Tode trennten.

Ich sah zu Tim hin, und dem spitzohrigen Wissenschaftler, wie sie verbissen zurückschossen. Der Soldat, mit dem ich mir das Quartier teile war wie zuvor gekniet an die Wand gekauert, erwiderte mit schnellem Finger das Feuer mit seinem Typ-III-Phasergewehr. Ich konnte nur ungläubig blinzeln, als ich mich wieder darüber wunderte, wie leicht es ihm fiel, damit umzugehen. Offenbar war er gut trainiert, auch wenn ich dieses Ding bisher nicht unter seinem Kopfkissen bemerkt hatte.
Der Neue schien sich auch nicht schlecht zu schlagen, wechselte zwischen Deckung und Feuer, als wäre er diese Art von Situationen bereits gewöhnt. Und hatte offensichtlich überlebt. Ich konnte mich nur wieder fragen, wer dieser Kerl war, und wo er herkam. Aber das waren Fragen, die weder in die momentane Situation passten, noch ohne mehr Informationen zu beantworten waren.

Ich wurde ohnedies durch einen schmerzerfüllten Schrei aus der Welt meiner Gedanken gerissen. Als hätte ich mit offenen Augen nicht hingesehen bemerkte ich erst in diesem Moment, wer schrie, und warum. Tim war es, er lehnte sich mit verbissenem Gesichtsausdruck gegen die Wand des Korridors, sein rechtes Bein ausgestreckt. Im Wechselschein des hin- und hergeworfenen Waffenfeuers konnte ich erkennen, was ihn quälte. Ein Strahl hatte ihn offenbar am Unterschenkel getroffen, hatte ihn zurück in die Deckung gezwungen. Er biss die Zähne zusammen, war aber definitiv fürs Erste ausgeschaltet. Ich nahm ihn an seiner linken Hand und zog ihn ein paar Schritte weit weg von der Kreuzung, lehnte ihn wie zuvor an die Wand des Ganges, während unser Kollege mit dem blauen Kragen das Feuer tapfer erwiderte. Ich betrachtete kurz die offene Wunde, versuchte die Uniformhose etwas zur Seite zu halten. Die angeschmorten Fetzen gaben allerdings kein besonders gutes oder schlechtes Bild frei, so klopfte ich ihm kurz auf die Schulter und sprach ihm zu: „Das wird schon Tim. Der Sanitäter müsste eigentlich gleich zurück sein, sobald er die Kinder abgeliefert hat.“

Er lachte etwas, wurde von dem Zischen der Waffen und der ionisierten Luft übertönt, so dass ich ihn nicht verstehen konnte. Ich sah nur, wie er mir das Gewehr an die Brust drückte. Ich nickte nur, konnte nur erahnen, was er mir sagen wollte. Es wäre wohl in etwa in folgende Richtung gegangen: „Knall die Schweine ab, Wissenschaft!“ So kannte ich ihn schließlich, etwa rau, zäh, und aus irgend einem Grund vollkommen apart was seinen eigenen Zustand anging.
Ich steckte meinen Handphaser in den Gürtelhalfter und gesellte mich zu dem Unteroffizier, der in den letzten Momenten zusehends unter Beschuss kam. Das lag daran, dass die zweite Waffe das Gegenfeuer nicht mehr unterstützte. Er sah mich kurz an, dann das Gewehr, bevor er nickte und mir etwas Platz machte, damit ich die Feuerkraft des Kriegsinstruments gebührend entfesseln konnte. Ich tat mein Bestes um nachzuahmen, was ich bei Crewman Randal gesehen hatte. Auch wenn ich mir keine Hoffnungen machen durfte, dass es auch nur annähernd so effizient war, oder halb so gut aussah wie bei ihm, es war besser als darauf zu warten, dass sie uns aufrieben. Für einen Moment bereute ich, dass ich niemals mehr als das Standard-Training hinter mir gebracht hatte, dass nur Typ-II-Phaser abdeckte. Ich tat, was ich konnte, ein Wissenschaftler im Kampfeinsatz. Ich war zwar ein Laie, aber ich leistete meinen Beitrag.



Und dann war alles vorbei. Wir hörten nur merkwürdige Geräusche aus dem Gang, der das Phaserfeuer nach uns zu spucken schien, nachdem die Salven verebbten. Ich sah kurz zu D’Mora hoch, sah seinen verwirrten Gesichtsausdruck.
„Gut geschossen“, flüsterte ich ihm halblaut zu.
Er zuckte kurz mit den Schultern, antwortete ebenso leise: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir das waren.“ Er zuckte mit den Schultern, was für eine unvulkanische Geste. War er ein Halbvulkanier, der Emotionen nicht blockierte?
„Rebellen!“ rief uns eine Männerstimme von der anderen Seite des Ganges zu. Ich sah vorsichtig um die Ecke, versuchte zwischen den Rauchschwaden etwas zu erkennen. Durch den dichten Qualm konnte ich nur zwei Gestalten erkennen, die dort standen, wo einstmals die Allianz in Stellung gegangen war. Wir zögerten, rührten uns nicht, schließlich wollten wir dem Feind nicht in die Falle laufen. Der Allianz war so etwas schließlich durchaus zuzutrauen, ich erinnerte mich an die Kinder, die wir fanden. Was die mit den armen Kleinen vorhatten, wollte ich mir erst gar nicht ausmalen.

„Sie können rauskommen! Masaoka hier!“ rief die schon zuvor vernommene Stimme, auch wenn ich meine Mühe hatte, mich an sie zu erinnern. Ich überlegte kurz, sah zu dem Mit-Wissenschaftler, und deutete ihm, den Gang im Blick zu behalten. Im Notfall konnte es nicht schaden, dass jemand wartete, bereit Deckung zu geben. Mit vorsichtigen Schritten verließ ich unseren sicheren Winkel, trat in den Korridor. Das Phasergewehr hatte ich vor mir, blinzelte und versuchte, mit der linken Hand den Rauch etwas zur Seite zu fächern. Ein Stechen in der linken Schulter ließ mich wissen, dass meine Schulter sich noch nicht ganz von dem Ausflug auf das Gorn-Schiff erholt hatte. Aber bald verdünnte sich der Rauch durch die wenige Luftbewegung, die die Umweltkontrollsysteme noch hervorrief. Ich trat einige, langsame Schritte in die Richtung der beiden Personen, und warf einen kurzen, kontrollierenden Blick nach hinten. Ich konnte das Spitzohr gerade noch um die Ecke sehend erkennen, den Phaser bereit.
Ich sah wieder nach vorne, und musste etwas husten von der verunreinigten Luft. Was ich erkannte ließ mir aber ohnedies fast die Luft im Halse stecken bleiben.

Vor mir standen zwei Frauen mit gezogenen Schwertern, für einen kurzen Moment meinte ich, sie wären „gleich“. Ich erkannte zuerst unsere Kommandantin auf der einen Seite, auf der anderen eine fremde Rebellin. Dennoch ließ ich meinen Blick ein Mal mehr als nötig zwischen den beiden hin und her gleiten, schien doch irgendetwas Besonderes an diesem Anblick zu sein. Dennoch, ich konnte nicht mit dem Finger darauf zeigen. Auch das Bild, das sich mir darbot, ähnelte sich auf eine unheimliche Art und Weise: Diese beiden Frauen, in etwa von selber Größe und Statur, standen vor mir, blickten mich desinteressiert an. Blutspritzer und Spuren des Kampfes waren an den beiden Kriegerinnen zu erkennen, überzogen die Kleidung der Rebellen und die Uniform des Commanders. Den beiden zu Füßen lagen sie, Allianzsoldaten, tote Feinde. Die, die unserem Captain zu Füßen Lagen, waren allesamt durch ihr Schwert gestorben. Ihre Leichen trugen deutliche Zeichen, wunden an vitalen Punkten. Vermutlich schnelle, gezielte Hiebe und Schnitte. Effizient. Ich sah aber auch zu den Toten, die sich vor der Fremden türmten. Sah, wie sie zugerichtet waren, was von ihnen übrig blieb. Und ich sah den Hass, der noch in ihren Augen loderte, als sie von den Gegnern, die ihr erlegen sind, zu mir auf sah. Instinktiv beschlich mich das Gefühl, dass mich nur ein schmaler Grat vom selben Schicksal teilen würde, wäre ich der Phoenix zuzurechnen. Ich sah nach hinten zu dem Kollegen aus der wissenschaftlichen Abteilung, deutete ihm, dass alles in Ordnung sei.

„Danke für die Hilfe, Ma’am. Wir konnten ein paar Rebellen evakuieren, allerdings ist einer von uns verletzt. Wir sollten ihn zurückbringen.“ erstattete ich Bericht. Unsere Kommandantin musterte mich kurz, sah dann zu D’Mora, der sich inzwischen auch genährt hatte, und antwortete mir.
„Beamen Sie ihn zurück, wir gehen weiter.“ Bei ihren Worten schritt die fremde Schwertkämpferin bereits davon, hatte einen anderen Rebellen bereits am Kragen gepackt und zog ihn weiter, in den nächsten dunklen Gang hinein. Nur ein wahnsinnig wirkendes Kichern war noch zu vernehmen, ehe der Captain den beiden Gestalten folgte. Knapp dahinter war Masaoka, der Sicherheitschef, der uns zuvor versichert hatte, dass wir aus der Deckung kommen konnten.



Und dann sah ich sie. Es war wohl dem Chronometer nach nicht lange her gewesen, seit ich mit ihr im Hangar der Rebellenstation saß, sie an der Schwelle ihres Quartiers verabschiedete. Aber es schien mir, als hätte die Ewigkeit ein Ende gefunden, als ich Epiphany wieder sah. Ihre Uniform schmeichelte selbst unter dem Staub und Schmutz, der ihr anhaftete, ihrer Figur. In den Händen hatte sie ein Gewehr, der Blick war eisern. Ich blieb wortlos stehen, mein Blick wanderte über diese Frau, und ich konnte nicht anders, als sie mit einer Walküre aus den Opern Wagners zu vergleichen. Doch der starre, leere Blick den sie mir entgegen warf, verlor schon nach den ersten Augenblicken die Härte. Der Kontrast war deutlich, denn fast konnte ich im Zwielicht des Korridors ein kleines Lächeln, und ein sanftes Leuchten in ihren Augen sehen.
„Hallo, Rubens…“ sagte sie mit sanfter Stimme, „schön dich wieder zu sehen…“, bevor mir ein harter Schlag auf den Rücken fast die Luft nahm. Aber nicht so sehr wie der Moment, in dem ich sie wieder sah.
PO3 Rubens Wolf TempCSO USS Phoenix
Zeitreisender und Aushilfssoldat im Urlaub

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