Cpt. P'Thall (14) & LtjG Afeoth (03) | CO/SCI | 12091.2370

CO: Thorn P'Thall - XO: Ghjea Lii

Moderatoren: John Connor, Operationsstab

Cpt. P'Thall (14) & LtjG Afeoth (03) | CO/SCI | 12091.2370

Beitragvon Ghjea Lii » Di 14. Dez 2010, 22:43

BRI G-Log | Cpt. P'Thall (14) & LtjG Afeoth (03) | CO/SCI | 12091.2370



Personen:
direkt: -
indirekt: Grant, Amh, Penvera

Wörter Chiu: 1.431
Wörter Thorn: 1.615


=/\= USS Britannia, Deck 18, Langstreckensensoren 2 =/\=

Paranoia gehörte nicht zu meinen besseren Eigenschaften. Um genau zu sein, sie gehörte gar nicht zu meinen Eigenschaften. Zu meinen besseren Eigenschaften zählten:
a) gesundes Misstrauen
b) skeptische Arroganz
c) wissende Überlegenheit
d) kühle Distanz
Aber gewiss keine paranoiden Anwandlungen. So etwas hatte ich nicht nötig. Ich war Wissenschaftlerin. Ich konnte die meisten Phänomene erklären. Jene, die ich nicht erklären konnte, musste ich erforschen um eine Erklärung zu finden.
Ich war abgebrüht, ich war abgehärtet, ich war mit logischem Denken gesegnet. Ich war aufgeklärt, ich war rein interessehalber nur ab und an neugierig. Wenn es um etwas tatsächlich Neues ging.
Aber nach der Überprüfung dieses Bereiches war ich mir nicht mehr ganz sicher. Weniger weil ich etwas Verdächtiges gefunden hätte, sondern mehr weil ich Zeit zum Nachdenken hatte ohne um mich herum die ganze Zeit ablenkende Geräusche zu haben oder jemanden der dumme und semi-intelligente Fragen stellte.
Mir hatten schon seit Tagen die Ohren immer mehr gekribbelt und ich hatte die letzte Stunde, die ich hier in pedantischer Kleinstarbeit verbrachte, dazu genutzt, sie nach Herzenslust zucken zu lassen. Vor allem das Linke. Es zuckte immer mehr und stoppte dann weil ich den Kopf hob.
"Baka.", fluchte ich ohne jemanden direkt zu meinen - außer vielleicht mich selbst. Dann schüttelte ich den Kopf.
"Afeoth an P'Thall.", die Hand war wie von selbst zum Kommunikator gewandert, "Deck 18, ich muss mit Ihnen reden."
Wieso? Weil er vielleicht der Einzige auf diesem Schiff war, der wusste, wie ich zu denken pflegte.



Mein lieber Captain. Eine Sternenbasis ist ein völlig anderes Biest als ihr Schiff. Wir haben mehrere hunderttausend Humanoide an Bord, verteilt über mehr als siebenhundert Decks. Wenn sie mich also nach ‚merkwürdigen Vorkommnissen‘ fragen, ohne spezifischer werden zu können… nun, wahrscheinlich wären sie selbst dann keine Hilfe, wenn sie spezifischer werden würden. Die ‚Unterredung‘ mit Harris und seinem ebenso nutzlosen, verweichlichten Sicherheitschef war schon einige Minuten her, hallte hinter meiner in Falten gelegten Stirn aber dennoch wieder und wieder, während ich in meinem Bereitschaftsraum düster vor mir hinbrütete.
Aber was hatte ich ihm auch zu bieten gehabt? Mutmaßungen hoch drei, und die Aussicht auf mehr Erkenntnisse, sobald unsere aktiven Ermittler- momentan zwei übermütige, naseweiße Crewmitglieder, meine derangiert- hypnotisierte Sicherheitschefin, und eine Betazoidin die in ihrem Kopf herumwühlte- zu irgendwelchen Ergebnissen kommen würden. Ein Protokoll unserer kleinen, geheimen Unterredung(en), das ich diesen Leuten nunmal schuldig war, so wenig es mir trotz maximal gesicherter Verbindung auf höchster Kommandoebene behagte. Schließlich war unser Problem potenziell auch das ihre. Und was hatte ich dafür bekommen?
Halten sie es wirklich für eine gute Idee, eine Chargin hinzuzuziehen? Ah, ich verstehe, ein Zuverlässigkeitsfreibrief dank verspäteten An-Bord-Kommens. Sie haben wirklich etwas für Trillflecken übrig, nicht wahr, Commander?

An dem Rand des Wasserglases vorbei, dessen Inhalt ich mir gerade im Mischverhältnis von Eins zu ‚gegen Unendlich‘ mit andorianischem Ale geschossen wünschte, fixierte ich mit funkelndem, verengten Blick die verlockende Wand. Auf welcher sich in diesem Moment vor meinem geistigen Auge eine Zielscheibe bildete, welcher ein aufgeklatschter, von fliegenden Glasscherben durchdrungener Wasserfall sicher verflucht gut zu Gesicht stehen würde. Wer hätte gedacht, wie gut diese Leute bezüglich des neusten Klatsches und Tratsches aus dem Sternenflottenhauptquartier auf der Erde informiert sein würden? Wenn sie verdammt noch mal nur in anderen Belangen ähnliche Kompetenz aufweisen würden, wie im abonnieren der interstellaren Regenbogenpresse.

Ich stellte das Glas auf dem Tisch ab, ohne es loszulassen, doch was mich eigentlich dazu veranlasste die Hand so fest darum geschlossen zu halten dass ich schwören könnte bereits das erste splitternde Knacken zu hören, war weniger der unsubtile Seitenhieb… sondern vielmehr die reale Möglichkeit seiner Korrektheit. Hatte ich bereits bei unserer ersten Begegnung mit Crewman Grant in diesem Korridor unbewusst zu ihren Gunsten agiert, weil sie mich an jemanden erinnerte? Davon ganz zu schweigen, ihre Anwesenheit bei hochgradig geheimen Offiziersunterredungen zuzulassen?

Mühsam ließ ich von dem Glas, lehnte mich zurück, kniff die Augen zusammen, und wurde vom in diesem Fall ersehnten Rufsignal aus meinen irrigen Gedanken geholt, welche ohne Zweifel anderswo wurzelten- in Machtlosigkeit. In dem haltlosen, aber sehr penetranten Selbstvorwurf, dermaßen getäuscht worden zu sein, Ziel einer Infiltration, schon bei der ersten Mission unter meinem Kommando. Ein Szenario, das scheinbar von Stunde zu Stunde wahrscheinlicher wurde.

Afeoths Sinn für Timing war also abermals schlichtweg sensationell.



*** Deck 18, Frachtbereich 6 ~ 9 Minuten später ***


„Ich hoffe sehr, dass sie nicht einfach nur der Meinung waren, dass ich solche hintersten Winkel meines Schiffes zu selten sehe, Lieutenant Afeoth.“, bemerkte ich scharf. Ob ihren Sinnen der gezielte Anflug einer beabsichtigten, gewissen Herausforderung in meinem Blick und meiner Stimme wohl entging?

Kaum. Nicht wo ich mich das schon fragen musste.


Ich hatte die Zeit zumindest sinnvoll verbracht und war Notizen durchgegangen die ich auf meinem PADD notiert hatte um sie mit unseren gespeicherten Werten abzugleichen. Jede Unregelmäßigkeit der Scanner und Sensoren war schließlich von Bedeutung, hatten wir doch eine Mission vor uns, die – wäre nicht so viel Unvorhergesehenes in letzter Zeit hier vorgegangen – schon längst ihren Lauf hätte nehmen sollen und bei der wir unsere Ausrüstung mehr als dringend und funktionstüchtig benötigten.
Da ich kaum annahm, dass der Captain unbedingt hier ein Vier-Augen-Gespräch führen wollte, wandte ich mich lesend von dem Bereich ab um einen vielleicht etwas "netteren" Ort zu suchen, der nicht weit weg war.
Nicht weil ich mich ungern bewegte, sondern weil dieser Ort so schön ruhig und abgelegen war. Und Ruhe war mir zurzeit wichtiger denn je, mochte an dem Stress der letzten Zeit liegen und dem Gebläke meiner Kollegen. Ich war keine besonders gute Teamkraft, das wusste ich schon lange. Wer meinen Standards genügte, der konnte auch problemlos alleine arbeiten. Wenn es um wissenschaftliche Arbeit ging, konnte man sich mal austauschen und diskutieren, aber arbeiten tat jeder besser alleine.

Somit traf ich mich mit dem Andorianer im Frachtbereich. Meine Augenbraue hob sich etwas an, als er seine eingängige Frage stellte, die keine Frage war. Spöttisch verzog ich mein Gesicht, indem ich einen Mundwinkel eine Winzigkeit anhob, leise schnaubte.
"Ja, Captain. Ich war der Meinung, Sie hätten nichts Besseres zu tun als diese lange überfällige Führung in das Innerste der Britannia vorzunehmen.", entgegnete ich kühl und todernst, ehe ich im selben Tonfall fortfuhr: "Aber im Wesentlichen brauche ich Sie, um mein Gefühl der Paranoia in den Griff zu kriegen."

Zack.
Paranoia war keine meiner besseren und schlechteren Eigenschaften. Und so wenig "gut" wir uns kannten, so "gut" kannte er mich bereits. Dementsprechend hielt ich mich wenig lange damit auf, seine Mimik zu studieren, denn – so "gut" kannte ich ihn wiederum bereits – davon verschwendete er ebenso wenig wie ich selbst. Vielleicht war das ein Grund, dass wir so "gut" miteinander auskamen.
Wir verschwendeten keine Worte. Keine Mimik. Keine Zeit.
"Werden Saboteure an Bord vermutet?", fragte ich ihn schließlich offen heraus, "Und was wird dagegen unternommen?"



Einander widersprechende Bedürfnisse, welche auf unterschiedlichen Zählern der Realitätsnähe-Skala angesiedelt waren, wichen hinter meinen ungerührten Zügen rasch genug einer Analyse des Sachverhaltes und möglicher Reaktionen auf diese Frage, um keine allzu auffällige Dissonanz in meiner Antwortgeschwindigkeit zu hinterlassen. Wie gut, dass ich Afeoth inzwischen gut genug kannte, als dass ich nicht zur erstbesten Antwort auf ihre Anfrage gegriffen hatte. (Deck 18? Hör‘ Mal, wenn dir unsere Stelldicheins nicht körperlich fordernd genug sind, lauf‘ du meinetwegen davor einen Marathon, aber scheuch‘ mich dafür nicht durch das ganze verdammte Schiff.) Zugegebener Maßen hätte ich mich dazu ohnehin nicht herabgelassen, aber der Gedanke war ‚erquicklich‘.

„Lieutenant Penvera hat den dringenden Verdacht geäußert. Seither haben wir das Schiff von der Station unter Vortäuschung weiterer Fehlfunktionen von der Station isoliert, und arbeiten mit störfaktorreduzierten lokalen Tiefenscans, getarnt als technische Problemsuche, bis wir mehr wissen- namentlich, ob der oder die Saboteure aus unseren Reihen kommen, oder nicht.“ Ich neigte meinen Blick. Zwecklos, den Unmut aus meiner Stimme gänzlich fernhalten zu wollen, bei aller versuchten Tonlosigkeit. Ebenso zwecklos wie sie auf ihrem Verdacht sitzen zu lassen. Was mich viel mehr interessierte, war die Indizienkette welche sie auf diese Spur geführt hatte. „Indessen haben wir zwei Herangehensweisen, um erstes Licht in die Sache zu bringen- verdächtige genetische Mikroproben, die noch immer untersucht werden. Und Ensign Amh, die offensichtlich chemisch manipuliert wurde, und nun von einer Betazoidin auf unterdrückte Erinnerungen telepathisch überprüft wird.“

Ich hob eine Augenbraue, mir wohl bewusst damit einen gewissen Spiegelungseffekt herbeizuführen. „Und was haben sie?“


Was ich habe?
Ich hatte Lust, ihm meinen Unterarm gegen den Hals zu pressen und ihn damit gegen die Wand zu drücken, die Kehle ein wenig anzuquetschen und meine Lippen das Ihre tun zu lassen um ihm den Atem zu rauben.
Ich war noch nie dafür bekannt gewesen, aus einer Laune heraus so etwas tatsächlich zu tun, geschweige denn meine Professionalität im Stich zu lassen. So wenig wie er es tun würde. Ich war nur kurz angetan von der Vorstellung, da es etwas völlig Untypisches wäre, das er – wenn ich es recht bedachte – aber vielleicht irgendwo unbewusst sogar erwarten würde.
Würde er?

Seine Reaktionszeiten waren ohnehin wie gewohnt kurz, seine Antworten bündig, schlussfolgernd, ließen wenig Spielraum zu Interpretationen. Das schätzte ich so hoch an ihm. Ich senkte die Augenbraue, ohne das zu überstürzt wirken zu lassen, nickte stattdessen, verschränkte die Finger beider Hände in meinem Rücken aneinander, straffte meinen Rücken subtil, die Schultern leicht zurückgezogen, was den Brustkorb mehr nach vorne verlagerte.
Meine Augenbrauen zogen sich nun leicht in der Mitte zusammen, einen Moment sah ich nach rechts unten und erinnerte mich, hob den Blick wieder um ihn in seine eisblauen Augen zu richten.
Die Stirn glättete sich. "Ich vermute selbst nur.", teilte ich ihm mit, "Jedoch nicht auf jemanden innerhalb der Mannschaft. Es sind nur Kleinigkeiten die mir aufgefallen waren oder die ich in Gesprächen anderer mitbekommen habe. Allesamt Phänomene, die man auf die technischen Störungen zurückführen kann, die aber ebenso auf jemanden zurückzuführen sein könnten, der nicht gesehen wird."
Ich hob die Hand, um ihn vor einer verführten Gegenfrage abzuhalten, fuhr fort: "Der nicht gesehen wird ohne tatsächlich unsichtbar zu sein."



„Dafür, dass sie ihre Schlussfolgerungen als Paranoia abzutun versuchen, nehmen sie überraschend konkrete Züge an.“, entgegnete ich schließlich, als sie die filigrane, aber inzwischen mir persönlich als überraschend kraftvoll bekannte Hand senkte. Mein Blick nahm jenen nicht unbedingt abschätzigen, aber eindeutig einschätzenden, prüfenden, bohrenden Ausdruck an, den hunderte Kadetten und Rekruten von dutzenden Welten zu fürchten gelernt hatten, das befragende, inquisitorische Funkeln welches sich oft auch dann darin wiederfand, wenn ich ungeduldig wurde. Kaum jemand hatte diesen Ausdruck bisher in einer verspielteren Form kennengelernt, nur einige auserwählte Individuen- Ob sie diese Nuance durchschaute, blieb bei aller Wertschätzung ihrer Talente fraglich, was dennoch für sich schon ein Kompliment war. Doch meine Haltung schwang im selben Moment erlaubter Maßen in die Antithese dazu um, während ich mich mit nun verschränkten, angespannten Armen seitlich an die kühle Bordwand lehnte, mit Oberarm und Ellenbogen, den Blick weiter neigte.

„Ich vermute, ihr Verdacht geht bezüglich eines Gegners, der nicht gesehen wird, ohne tatsächlich unsichtbar zu sein, noch weiter. Konkreter als sie es äußern.“ Mein Blick fiel fühlbar auf die Spitze ihres linken Ohrs, auf dessen Elfenbeinhaut ich mit Fantasie und Augenzeugenkenntnis bei allen regenerativen Vorzügen ihrer romulanischen Halbherkunft letzte Spuren hitziger Bisse zu erahnen glaubte. Geliebter Feind. Ein verbreitetes Konzept innerhalb der für ihre Leidenschaft bekannten andorianischen Rasse, doch zumeist nicht gar so wörtlich genommen.

„Was sie noch nicht tun, weil sie genauso ungern vermuten und schätzen wie ich. Vom raten ganz zu schweigen. Es sei denn auf Befehl.“

Meine rechte Augenbraue zuckte, eine Regung der komplexen Muskulatur welche sich bis hinauf in den dazugehörigen Fühler zog.

„Also?“


Sein Blick brannte mir unter der Haut und ließ die Spitze eben jenes Ohres zucken. Nur kurz, aber sichtbar, wenn der Blick darauf fixiert war. Dem anderen Blick hatte ich ungerührt standgehalten, nur die Augenbraue erneut leicht angehoben, wenngleich weniger weit als zuvor.
Konkreter als ich es äußerte. Er mochte Recht haben, hatte er so oft, dass er ein tatsächlich ebenbürtiger Gegner war.
In so vielen Nuancen, auf so vielen verschiedenen Schlachtfeldern. Ebenbürtig. Aber überlegen? Nicht in den Disziplinen in denen wir uns tatsächlich gemessen hatten. In anderen hielten wir es beide für besser, die nötige Distanz zu wahren.
Zum Glück war diese Distanz auf Themen begrenzt.

Nun funkelte das Schwarzgrün wiederum in das Eisblau, ich nickte erneut, ohne den Blickkontakt abzubrechen.
"Romulaner. Tal'Shiar.", gab ich an. Es waren reine Theorien. Ich würde ihm keine Beweise liefern. Ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen. Ich hatte nur dieses Gefühl und das Kribbeln in den Ohren. Seit wir losgeflogen waren.
Nicht wissenschaftlich, aber intuitiv.
"Ich bin zu wenig in ihren Techniken bewandert, geschweige denn in ihrer technischen Ausrüstung um Ihnen sagen zu können wie sie es anstellen.", weitete ich aus, "Aber das tut meinem Verdacht keinen Abbruch und lässt eine Schlussfolgerung zu. Der momentane Waffenstillstand und Vertrag zwischen der Föderation und dem Imperium erlaubt keine Spione, geschweige denn Saboteure. Wenn sie hier sind, suchen Sie etwas Bestimmtes und sind auf etwas Größeres aus."
Ich hob die Hand, neigte sie nach innen, nach außen, ließ die Geste vage erscheinen, so wie meine Worte selbst. "Nur Vermutungen.", stellte ich erneut fest, mein Ohr zuckte noch einmal, "Sie kennen meine Gedanken jetzt. Mehr habe ich zu diesem Thema momentan nicht zu sagen, bevor wir mehr Anhaltspunkte haben."



Auch wenn dieser spezielle Blick ein mit Vorsicht zu nutzendes Präzisionsinstrument war, und ich keinesfalls vorhatte ihn dauerhaft in meine Mimik einzubinden, konnte ich ihn angesichts des Verdachts, welchen sie da äußerte, nicht so recht loswerden.
Tal’Shiar.
Fühlte ich mich nun besser, oder lediglich noch miserabler? Wenn man schon an den Fühlern herumgeführt worden war, dann doch am liebsten von jenen, die am meisten davon verstanden, oder? Nein. Das war nicht nur kein Trost, sondern, wie wir schon beide so trefflich festgestellt hatten, lediglich ein Verdacht, bar jeder wissenschaftlichen Basis, eine Tatsache die ich ihr keinesfalls um die gespitzten Ohren hauen musste. Sie war alles, nur nicht arm an Selbsterkenntnis und analytischer Gabe, und so sehr sich diese Charakterzüge in ihrer Natur zwischen uns unterschieden mochten, so effektiv waren wir dennoch beide darin. Und doch… eröffnete ihre Vermutung eine gänzlich neue Welt der finsteren Vorahnungen, Verdachtsmomente, Assoziationen. Fragen, die einen an dunkle Orte führten, an denen man sich nur zu leicht verlieren konnte. Ich konnte mir nicht erlauben, mich dem Wunsch meines Unter-Ichs entsprechend von auf all dem basierenden Folgefragen erschlagen zu lassen, wie jener danach, weshalb die Tal’Shiar eine Wissenschaftsmission dieser Art infiltrieren sollten, ob es hier lediglich um das Schiff ging, oder gar um bestimmte Personen welche darauf Dienst taten. Exakt dem konnte ich mich gerade nicht hingeben, nicht vor der Crew, nicht vor dem Oberkommando, nicht vor Harris‘ Leuten, und an allervorderster Front nicht vor Chiu Afeoth, deren alarmierende Ebenbürtigkeit meinen Ehrgeiz bezüglich Selbstbeherrschung stets zu beflügeln wusste. Eine äußerst schätzenswerte Eigenschaft.

Letztlich sollte ich wohl gerade in diesem Moment dafür dankbar gewesen sein, dass mich die Natur ihrer Theorie trefflich davon abzulenken wusste, die eben noch deutlich spürbare sexuelle Spannung zu sehr zu genießen. Meine Haltung straffte sich ein Stück weit, auch wenn ich mir in diesem Moment nicht die Blöße gab, mich von jener Wand abzustoßen und gänzlich aufzurichten.

„So gering mein Interesse an weiteren Katastrophen auch sein mag, Lieutenant.“, bemerkte ich schließlich. Diesmal war die Pause länger gewesen. Aus anderen, fokussierteren Gründen. „Danke. Ich gehe davon aus, nicht weiter auf die Notwendigkeit weiterer, temporärer Geheimhaltung eingehen zu müssen.“

Komisch. Das Déjà-Vu, welches mir diese Worte einflößten (die ich ihr gegenüber gerade nicht zum ersten Mal verwendete), sprach in eine weniger kühle Sprache als das eben gesagte.

„Und bei aller Wertschätzung für ihre Zurückhaltung- sollten sie auf dieser Theorie beruhende, zusätzliche, realistische Maßnahmen vorzuschlagen haben, bin ich ganz Ohr.“ Ich war froh, auf jenes letzte Wort keine schiefe, infantile, spitze Betonung gelegt zu haben.


Mein Mundwinkel zuckte um eine Winzigkeit nach oben. Ich legte den Kopf andeutungsweise zur Seite, nicht einmal wenige Millimeter. Und dennoch so sehr dass mein Blick etwas Schielendes hatte, als ich weiter zu ihm aufsah.
"Habe ich nicht.", stellte ich lediglich fest, "Ich war nie auf Romulus. Ich hatte nie mit dem Tal'Shiar direkt zu tun ansonsten stünde ich nicht jetzt hier. Wenn ich meine rihannische Seite stärker an den Tag lege, provoziere ich vielleicht einen zufälligen rihannischen Beobachter zu einer unbedachten Tat."
Ich war ein Bastard.
Halb Rihannsu. Halb Feind.
Halb Spitzohr. Halb Schlitzauge.
Halb aus dem Geschlecht der "Besten" dieses Universums. Halb Abschaum.
Das machte mich nach rihannischer Rechnung zu vollkommenem Abschaum. Schlimmer noch. Nicht einmal ein kllhe würde in meiner Nähe sein wollen.

Mein Ohr zuckte. Im selben Moment wurde es schlagartig dunkel um uns herum. Einen kurzen Augenblick lang glaubte ich noch in der verschwindend geringen Zeit des Verlöschens den letzten Lichtschimmer der sich noch in seinen Augen reflektiert hatte, nachglühen zu sehen. Blau, weiß, wie auch immer.
Meine Augenbraue hob sich der Stirn entgegen. Erneut.
"Gibt es da noch etwas an technischen Problemen, die ich wissen sollte und nicht öffentlich gemacht wurden?"
Geheimniskrämerei. Unnötig zu erwähnen, dass ich auf seinen Satz mit der Geheimhaltung gar nicht erst eingegangen war. Wozu auch. Er kannte mich gut genug. Ich mich auch. Kein Wort zu niemandem war mir noch nie schwer gefallen.
Beinahe automatisch war ich um eine Winzigkeit näher herangetreten. Als würde das fehlende Licht und damit die verlorene Fähigkeit, zu sehen, auch alle anderen Sinne beeinträchtigen, als müsse man das durch direktere Nähe kompensieren.



Mit dem Erlöschen der Beleuchtung stellten sich aus einem uralten, evolutionär bedingten, aber unzählige Male bewährten Schutzreflex meine Fühler auf. Die sofort eintretende Schärfung der anderen Sinne war geradezu fühlbar, trug neue Eindrücke an mich heran, bis hin zu hauchfeinen, streng kontrollierten Atemzügen, nun keine geschätzten anderthalb Meter mehr von meiner kampfbereit gestrafften, unsichtbaren Gestalt. Nur der analytische, kühle Verstand blieb ungerührt. Fast.

„Penvera hat Freigabe für die Provokation weiterer Störfälle. Abgesehen von jenen, die ohnehin außerhalb seines Einflusses liegen. Und der Berechtigung, das Scanraster anzupassen.“

Die Gesamtheit der möglichen Szenarien, von der prickelnden, aber unwahrscheinlichen Aussicht in einen vom Ausfall der Gravitation unangekündigten Tiefenscan zu geraten, über profane Systemausfälle, bis hin zu einem feindlichen Hinterhalt, jagte eine kribbelnde Wärme aus meiner Bauchgegend bis hinauf in die Fühlerspitzen, ihre abkühlenden Schockwellen stellten selbst die feinen Haare in meinem Nacken auf.

Zunächst waren es jedoch nur zwei an der Grenze des hörbaren angesiedelten Takte geschärfter, von angespannter Erwartung genährter Atemzüge, die gespitzte Ohren wahrzunehmen vermochten. Bis zu den ersten, abschätzenden, entschlossenen Schritten.
Cmdr Ghjea Lii
Erste Offizierin der USS Britannia
Adjutantin des Rektors der Akademie
Dozentin für: RPGS, RPGL, STAW, STAM

Cmdr Valar Szin; Lt Tyrone Fernandes; LtjG Chiu Afeoth; SCPO Jayden Solin Stone; Cad Ben Deeuard; Pandora Stone-Soleily

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Ghjea Lii
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