RES-ULog2/2-Lt.Hernandez/Ens.Salvation-Tec/Sec-12109.2032

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Beitragvon Godo » Sa 1. Jan 2011, 19:19

Miguel:ULog 2 - 1030 Wörter
Skylar: ULog 2 - 2525 Wörter

=V= Starbase 98 „Resolution“ - Luftschleuse =V=

Ich saß da nun und wusste einfach nicht mehr weiter. Es war wirklich wohl besser, wenn ich einfach ging. Mich vermisste man ja eh nicht, ich war eben unbedeutend für dieses Universum. Es war für mich besser, diese Ebene der Existenz zu verlassen und in eine mögliche andere Existenzebene zu gehen. Vermutlich gab es nicht mal eine „andere“ Ebene. Von daher war es eh egal, ich glaubte, ich wäre froh, wenn ich hier weg war, dann hatte niemand mehr, was an mich anzusetzen und niemand musste sich mehr mit mir abgeben. Ein Stück Dreck wollte eh niemand haben und auch nicht zusammen arbeiten. Also machte ich doch Schluss, es war definitiv besser. Langsam wanderte meine Hand zu dem Knopf und ich drückte zu. Ich setzte den Schlussstrich für immer.

„Bitte tu es nicht… bitte nicht…“, hörte ich eine Stimme, doch es war schon zu spät, ich hatte den Knopf gedrückt.


Ich hatte meine Augen noch immer geschlossen. Ich wollte nicht mit ansehen, was Miguel sich antun wollte. Ich wollte nicht Zeuge dieses Unglücks sein und doch war ich es. Ich würde Aussagen müssen. Man würde mich verhören und es würde mich innerlich zerreißen. Es würde mich umbringen. Seelisch sterben lassen. Dabei war ich innerlich schon längst gestorben und doch lebte ein kleiner Funke in mir. Versuchte zu leuchten. Doch der kleine Funke Hoffnung bekam nicht genug Sauerstoff um ein loderndes Feuer zu werden. Ein loderndes Feuer aus Liebe und Leidenschaft. Es glimmte nur vor sich hin und würde, wenn ich dieses unausstehliche Geräusch der Luftschleuse hörte, komplett erlöschen.

Mein Kopf sang gegen die Tür. Meine Stirn drückte sich immer weiter gegen das kalte Metall. Es waren unerträgliche Sekunden, die mich zerreißen. Die mich umbrachten. Untätig auch nur etwas zu tun, stand ich da. Drückte mich an die Tür und hoffte, das er den Knopf nicht drückt. „Tu es nicht“, flüsterte ich. Meine Stimme versagte. Erstickte in meiner Angst.

Tränen suchten sich ihren Weg. Liefen über meine Wangen und tropften auf den kalten Boden. Starben. So wie ein Teil in mir starb. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Wie ich Miguel davon abbringen konnte, den Knopf zu drücken. Grade ich wollte ihn davon abbringen. Ich, die ihm auch noch so zusetzen musste. Ich, die ihm Vorwürfe machte. Warum sollte er grade auf mich hören? Warum sollte er grade auf mein bitten hin, es nicht tun?

Innerlich fasste ich einen Entschluss. Einen Entschluss, den ich mit jedem Mal fasste, wenn ich meinen Jäger bestieg. Einen Entschluss, der nie wieder umzukehren war. In meinem Jäger war der Entschluss nur ein wenig anders. Er rettete dann – wenn ich gut war – einigen das Leben, während ich meines dafür gab. Diesmal war dieser Entschluss anders. Ich würde Miguel nicht allein gehen lassen. Niemals.

Langsam drehte ich mich und lehnte mit dem Rücken an der Tür. Meine Beine gaben nach und ich sank schluchzend zu Boden. Im selben Moment spürte ich, wie sich etwas tat. Das Metall bewegte sich. Ich kniff meine Augen zusammen und wartet auf dieses tödliche Geräusch. Das Geräusch, welches Miguel das Leben aushauchen würde und mich eben so holen kommen wird.

„Computer. Versperre die Luftschleuse“, kam es dann über meine Lippen. Irgendwas in mir sagte mir, dass ich genau das sagen sollte. „Autorisierung?“ „Salvation. Alpha Omega Beta Gamma“, gab ich mit zitternder Stimme von mir und hoffte, dass es noch nicht zu spät war.

Es war mir egal, wer es war, denn es war zu spät. Es waren meine letzten Gedanken, meine aller letzten. Ich würde jeden Moment den letzten Atemzug machen. Dann würde es schnell gehen und ehe ich mich versah, war es vorbei. Nur noch wenige Augenblicke, wirklich Augenblicke. Ein Katzensprung. Der Bruchteil eines Bruchteils und dann war es vorbei. Einfach nur vorbei und sie waren mich los. Für immer waren sie mich los und würden nie mehr Probleme mit mir haben. Sie würden mich nicht mehr anschnauzen, mich nicht mehr für alles Verantwortlich machen wofür ich keine Schuld hatte. Sie waren mich dann ein für alle mal los. Sie brauchten sich mit mir nicht mehr abgeben. Man wollte mich eh nicht haben. Niemand wollte mich, ich war der Verstoßene. Also machte ich nun das Ende von allem und alle anderen wären glücklich.
Wozu war ich sonst da, wenn nicht dazu?
Man brauchte mich nur damit andere glücklich wurden. Für etwas anderen war ich einfach nicht gut. Also musste ich dem ein Ende setzen, ich wollte nicht einfach nur ein Objekt sein. Und doch war ich es also wartet ich nun geduldig darauf, dass es zu Ende war.


Ruhig lauschte ich und wartete darauf, das dieses zerstörerische Geräusch kam, doch es blieb aus. „Luftschleuse gesperrt“, teilte mir der Computer dann mir und ich atmete erleichtert aus. Doch damit war es noch lange nicht vorbei. Miguel würde mich nun sicher in Stücke reißen, wenn er erfährt, dass ich es war. Das ich es war, die ihn davon abhielt.

Da ich meine Brille hochgeschoben hatte, um weinen zu können, wischte ich nun über meine Augen und versuchte langsam meine Fassung wieder zu gewinnen. Doch es war nicht einfach. Es war nie einfach. Schwer die Fassung aufzugeben und Gefühle zuzulassen und dann die Fassung wieder zu bekommen, um dann Stark zu sein. Ich hasste es, wenn ich meinen Gefühlen freien Lauf ließ. Sie zu ließ. Ich weinte nicht gern. Eigentlich weinte ich nie. Tränen zeigten Schwäche. Weinen war eine Sünde. Man ließ Schwäche zu. Man verlor die Oberhand. Man wurde Schwach. Man verlor.

Ich schüttelte mit dem Kopf und versuchte die Worte meiner Eltern aus den Kopf zu bekommen. Tränen zeigten Schwäche, ja, aber auch eine gewisse Stärke. Dennoch wurde mir von Klein auf an beigebracht, dass Tränen eine Sünde sind.

Am Liebsten hätte ich mich nun zusammengekauert. Zusammengerollt und einfach abgewartet, was passiert. Doch ich konnte nicht auf dem Boden sitzen bleiben und warten. Es zerriss mich noch immer. Weglaufen. Ich wollte einfach weg von hier. Doch meine Beine waren zu Schwach. Sie hielten mich nicht mal, sondern gaben immer wieder nach. Wütend schlug ich mit der Faust gegen die Wand und knurrte einmal kurz auf, bevor ich mich erneut aufrappelte und es diesmal schaffte. Noch immer ein wenig unsicher auf den Beinen, zog ich meine Brille wieder runter und öffnete meine Augen. Sie brannten ein wenig, aber daran gewöhnte man sich.

Langsam ging ich auf die Tür zu und ließ sie dann vom Computer freigeben. Die Andere – die Tür nach Außen – ließ ich verriegelt. Wenn er sich wirklich umbringen wollte, denn sollte er sich was anderes suchen. Nicht während meines Dienstes – den ich eigentlich mit einen Testflug verbringen sollte – und vor allem nicht, während meiner Anwesenheit.

Als die Tür sich öffnete, holte ich nochmal tief Luft und biss mir selbst so fest auf die Lippe, dass ich das Blut schmeckte. Bitter-süßer Schmerz. Doch dadurch fand ich meine Fassung wieder und konnte halbwegs die alte Skylar sein. „Was fällt dir eigentlich ein? Bist du von allen guten Geistern verlassen?“ Ich konnte nicht anders. Meine Sorge, meine Wut und das, was mich innerlich zerfraß, war einfach zu stark. Hätte ich meinen verstand die Arbeit machen lassen, dann hätte ich Miguel nun sicherlich eigenhändig aus der Luftschleuse ins All geworfen, doch ich ließ etwas anderes die Arbeit machen. Somit trat ich langsam auf Miguel zu. Meine Beine zitterten noch immer und irgendwie war mir warm und kalt zu gleich.

Ich holte nochmal tief Luft und packte Miguel am Kragen. Eigentlich wollte ich ihn hoch reißen, doch mir fehlte jegliche Kraft. So sank ich nur auf die Knie und biss mir auf meine Lippe. „Wie kannst du nur?“ Fragte ich dann leise, nachdem ich wenigstens ein wenig reden konnte, doch meine Stimme war alles andere als sicher. Sie zitterte und ich hatte das Gefühl, sie würde versagen. „Wie kannst du nur?“ Wiederholte ich, nun noch leiser als vorher.

Es passierte nichts, meine Augen waren noch immer geschlossen und ich war noch da. Ich war noch immer in der verfluchten Welt, in diesem verfluchten Universum. Ich wollte weg von hier, von alle dem und wollte mich in die Weiten des Weltalls pusten lassen. Es kam jedoch ganz anders, denn ich war noch da.
Verflucht noch eins, warum konnte man nicht einfach gehen lassen?
Erst wollte man mich nicht und dann wollte man mich doch?
Es war zum Verrückt werden und ich wollte nicht mehr. Ich wollte einfach nicht mehr. Ich wollte nur noch Verschwinden einfach mich in Luft auflösen. Mich brauchte man ja eh nicht, obwohl man es sagte.
Wie lange würde es wohl gut gehen?
Einen Tag?
Vielleicht zwei Tage?
Nein, es würde nicht lange so sein. Irgendwann würde ich wieder hier landen, also konnte ich auch gleich dem ein Ende setzen. Irgendjemand sagte auch was zu mir, doch ich hörte nicht hin. Es war für mich, als hätte ich Watte in die Ohren. Es war nichts was mich erreichte, ich fühlte nichts, auch wenn etwas mit mir geschah. Ich fühlte nichts, ich spürte nichts. Ich nahm einfach nichts war. Ich wollte die Augen nicht öffnen. Ich wollte nicht stehen. Ich wollte ja nicht mal liegen. Nichts, auch rein gar nichts wollte ich mehr. Ich wollte nicht mehr Atmen. Ich wollte nicht mehr meinen Herzschlag spüren. Nein, all dass wollte ich nicht mehr, konnte ich aber auch nicht abstellen. Es war einfach da und ich musste damit Leben, obwohl ich nicht mehr wollte. Es war einfach nur noch Deprimierend.
Konnte man mich nicht mal in Ruhe lassen?
Mich einfach in Ruhe Sterben lassen?
Andere ließ man doch auch in Ruhe sterben, wieso konnte man es mir nicht gönnen?
Nein ich musste wieder gesondert sein, so wie schon immer. Ich musste immer der Typ sein, den alle Quälen konnten, so dass sie ihren Spaß hatten. Ich war eben nur ein Würstchen. Man zeigte es mir ja jeden Tag auf.

„Lassen sie mich einfach Ruhe. Gehen sie“, sagte ich verdammt leise, „Verschwinden sie und lassen sie mich einfach ein Ende setzen. Andere lässt man auch in Ruhe sterben. Warum mich nicht?“


Das hat gesessen. Miguel hatte mir mit seinen Worten ein Messer in die Brust gerammt. Ich sollte gehen, einfach so? Einfach gehen? Die weiteren Worte ließen meine Hände zittern. Das Messer, welches er mir in die Brust und damit ins Herz gerammt hatte, drehte er mit jedem weiteren Wort. Langsam. Qualvoll. Schmerzhaft.

Ich ließ den Kopf sinken. Es schmerzte einfach nur noch. Es war so, als würde man mich alles aus meinem inneren herausreißen. Langsam, damit man schön leiden konnte. Damit man sich auch später noch dran erinnern kann. Damit man ein Leben lang etwas davon hatte.

Doch warum reagierte ich so? Warum war mir dieser Mann so wichtig, obwohl er mich verletzt hat? Warum wollte ich sein Leben retten? Warum wollte ich in seiner Nähe sein? Warum konnte ich seinen Wunsch nicht einfach nachgeben und einfach gehen? Ich konnte nicht. Es ging einfach nicht. Zum einen konnte ich nicht, weil meine Beine nicht wollten. Sie konnten mich nicht tragen. Zu sehr schmerzte alles. Zum anderen wollte ich nicht, da ich... da er mir zu wichtig geworden ist.

In mir jedoch kam für einen Moment die alte Skylar durch und so holte ich aus und meine flache Hand schlug klatschend auf die Wange von Miguel. Meine Finger kribbelten. Schmerzten. „Hör auf so ein Unsinn zu reden. Verdammt noch mal. Und wen du es nun nochmal sagst, dann...“ „GEH“, gab er von sich und ich verzog mein Gesicht. Langsam aber sicher stieg Wut in mir auf. „Lass mich einfach sterben...“ Wie automatisch holte ich wieder aus. „Sag es nochmal und es ist nicht mehr die flache Hand, sondern meine Faust“, knurrte ich ihn nur noch an. Doch es schien ihn nicht zu interessieren. Gut. Was sagte Reaver mal? Umgekehrte Psychologie?

Da ich ihm seinen Wunsch nicht erfüllen konnte und damit auch nicht ging, ließ ich meinen Kopf einfach ein wenig weiter sinken und lehnte ihn gegen Miguels Schulter. „Ich werde nicht gehen“, sagte ich dann leise. „Wenn du es durchziehen willst, wirst du mich wohl mitnehmen müssen“, fügte ich dann leise, kaum hörbar hinzu.

Was zur Hölle...?
Man konnte mich wirklich nicht alleine sterben lassen.
Und dann sollte ich ein Leben auslöschen?
Nein, dass wollte ich nicht. Ich konnte es nicht und wollte es nicht. Ich seufzte laut.

„Warum ich?“, fragte ich.

Das war eine Frage in dem Moment, die mich am meisten Interessierte.


Ich lehnte weiterhin mit dem Kopf an Miguels Schulter. Er stellte mir eine Frage, die ich selbst nicht mal zu Beantworten wusste. Warum grade er? Warum nicht irgendjemand anderes? Warum er? Was hatte er, was uns immer wieder aufeinander treffen ließ? Egal was wir machten, wo wir waren, irgendwann trafen wir aufeinander. So, dass es ihm Ärger bereitete. Ich seufzte leise. Überlegte. Versuchte selbst eine Antwort zu finden. Eine einfache Antwort. Doch sie fehlte mir.

„Weil...“, gab ich dann leise von mir, aber weiter wusste ich nicht. Ich wusste nicht, wie ich es ihm erklären sollte. Wie ich es ihm sagen sollte. Wer fiel auch schon gern mit der Tür ins Haus? Wer sagte einem anderen, den er kaum kannte, dass... Ja was? Das sich das eigene Leben und das der Person drehte? Wie hörte sich das den an? 'Du, mein Leben ist an deines gebunden. Tut mir Leid, nun musst du damit leben'?

Leicht schüttelte ich den Kopf und schob damit den Gedanken zur Seite. SO konnte ich es nicht ausdrücken, den irgendwie war ich mir ja selbst nicht mal sicher. Ich überlegte weiter, wie ich es sagen konnte und entschiede mich dann dafür, dass ich es ihm so sagen sollte.

„天使が私の翼をクリップでした。
すべてのあなたの愛をキャッチするには
あなたの痛みを落ち着かせる
しかし、天使これは間違っているだろう
あなたは死にすぐにブリードか
天使が私までお越し下さい
ヒール自発的に私の明白な痛み
愛しています”

(Tenshi ga watashi no tsubasa o kurippudeshita.
Subete no anata no ai o kyatchi suru ni wa.
Anata no itami o ochitsuka seru.
Shikashi, tenshi kore wa machigatte irudarou.
Anata wa shini sugu ni burīdo ka.
Tenshi ga watashi made o koshi kudasai
Hīru jihatsu-teki ni watashi no meihakun.a itami.
Aishite imasu.)


Nun war es raus, nur er verstand wohl kein Wort. Kein einziges Wort. Ich seufzte leicht, löste mich dann von Miguel und stand auf. Mit dem Rücke zu ihm ließ ich mir meine Worte nochmal auf meiner Zunge zergehen. Langsam fing ich dann an zu übersetzen.

„Engel, ich könnte Dir Deine Flügel stutzen, um all Deine Liebe zu erzwingen, um Deinen Schmerz zu lindern. Doch, Engel, dies wäre so falsch, Du würdest sofort verbluten. Also Engel, komm zu mir und heile meinen unerträglichen Schmerz“, sagte ich dann leise. Schluckte schwer.

Allein der Gedanke. Die Erinnerungen an den einen Abend. Dann die Erinnerungen an Ben und was uns verbannt. Es war alles anders. Er war einfach so, das man mich akzeptieren konnte und ich machte alles kaputt. Es war schon immer wo gewesen, dass ich mir das Leben schwerer machte, als es nötig war. Ich verglich Miguel mit Ben, dabei waren beide Unterschiedlicher den je.

Meine Finger spielten mit der Kette, welche mein Dog Tag, wie auch das von Ben trug. Neben diesen war auch der Chip daran befestigt. Ich seufzte leise. Meine Gedanken fuhren Achterbahn. Mein Magen drehte sich förmlich um und mir war übel. Ich hatte diese Gefühl noch nie gehabt. Nichtmal im Jäger. Noch nicht einmal, wenn ich den Tod in die Augen sah und ihm ins Gesicht spuckte. Nein, ich hatte es nun. Nun wo ich meine Gefühle versuchte zu verstehen, um sie zuzulassen. Nun, wo es grade am unpassendsten war. Nun...

Ich wollte weg. Mich verstecken. Verkriechen. Nie wieder raus kommen. „Es tut mir Leid“, sagte ich dann leise, ohne Miguel anzusehen. „Vielleicht sollte ich meinem inneren Drang nachgeben und die Base wieder verlassen. Verlassen, damit du es hier einfacher haben wirst. Damit ich dich nicht mehr ins Unglück reiße und Unheil über dich bringe.“

Langsam ging ich zur Tür hinaus. Blieb stehen und senkte meinen Kopf. „Der letzte Satz. Aishite imasu... heißt übersetzt: Ich liebe dich“, sagte ich dann noch leise und verließ damit die Luftschleuse. Weit kam ich jedoch nicht, denn wenig Schritte weiter, lehnte ich mich an die Wand und meine Beine gaben erneut nach. Ich schob die Brille hoch und rollte mich auf dem Boden zusammen. Am liebsten hätte ich los geschrien. Doch mir fehlte jegliche Kraft.

Ich schaute ihr nach. Ich war geschockt, nein nicht geschockt. Ich war einfach nur überrumpelt. Ich hatte meine Augen geöffnet und wusste nun wer mein Leben gerettet hatte. Wer mich nicht einfach gehen lassen wollte. Doch ihre letzten Worte waren wie eine weiche Creme, die sich über eine Offene Wunde legte und diese schloss. Sie hatte damit den Schmerz, der meine Gedanken und meine Gefühle beherrschte einfach verdrängt. Nein, dann konnte ich gewiss nicht gehen und sie einfach allein lassen. Also ging ich ihr nach und sah sie auf dem Boden liegen. Ich ging in die Hocke und hob die kleine Frau an.

„Entschuldige“, sagte ich leise und ging mit ihr in einen Raum, der Momentan nicht genutzt wurde.

Es war wohl erstmal besser, dass wir es nun wirklich klärten. Doch sie weinte und ich drückte sie an mich. Ich wusste ja dass sie ihre Brille brauchte, doch sie hatte sie hoch geschoben und hier war kein Licht an, also ließ ich es aus. Ich setzte sie auf den Stuhl der da war und den ich gerade so erkennen konnte. Dann ging ich vor ihr in die Hocke und wischte ihr sanft die Tränen weg.

„Ich wollte es dir nicht antun. Doch... ich kann einfach nicht mehr. Ich kann es nicht mehr ertragen“, versuchte ich ihr leise zu erklären.

Ich wusste nicht warum, aber sie gab mir die Kraft, die ich brauchte um alles zu vergessen, was man mir antat. Alles war für mich nun erst einmal vergessen. Ich konzentrierte mich nun auf Skylar.


Ich rollte mich einfach weiter zusammen und ließ meinen Gefühlen einfach freien Lauf. Ich konnte sie nicht mehr verbergen. Mir fehlte die Kraft. Die Kraft, die Skylar zu sein, die ich all die Jahre war. Die Skylar zu sein, zu die man mich gemacht hatte. Die Kämpfende. Die Starke. Nun war ich einfach Skylar, das Wrack. Ich weinte, schluchzte und bekam zum Teil nicht mal richtig Luft. Japste und schnappte ab und an dann doch nach Luft. Es war so, als würden sich schwere Felsen auf meine Brust legen und mich erdrücken. Felsen die nun nach meinem Leben trachteten.

Meine Gedanken kreisten. Wirr. Chaotisch. Es gab keine klare Linie. Es stürzte alles über mich ein. Verschüttete mich. Mein Gesicht drückte ich gegen den Boden. Stumme Schreie. Schmerzen. Man nahm mir die Luft.

Irgendwer hob mich hoch. Sicher jemand, der das nicht mit ansehen konnte. Meine Augen hielt ich geschlossen, da es im Gang einfach zu hell war, ich aber keine Brille auf lassen konnte, da ich weinte. Dennoch tat es gut, dass man mich in den Arm nahm. Instinktiv drückte ich mich gegen den Körper, der mich hoch gehoben hatte. Vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. Das es Miguel war, bekam ich nicht mit. Normal erkannte ich einige Leute an ihrem Herzschlag. Als jemand, der sich nicht immer auf die Augen verlassen konnte – so wie im Moment – war mein Gehör ein wenig besser ausgeprägt. Zudem war der Herzschlag von Miguel ein wenig erhöht und so konnte ich mich nicht einmal darauf konzentrieren.

Ich spürte, wie man mich auf einen Stuhl setzte und meine Tränen wegwischte. Doch wirklich beruhigen konnte ich mich nicht gleich. Es ging nicht. All die Jahre hatte ich den Schmerz runter geschluckt und nun brach alles aus mir hinaus. Die Dämme gebrochen und damit war die zerstörerische Kraft freigesetzt worden. Bei mir war es jedoch einfach nur das, dass ich mich nicht beruhigen konnte.

Es dauerte ein wenig, bis ich nur noch leise schluchzte. Miguel hatte ich mittlerweile erkannt, als er mir versuchte, zu erklären, warum er... Ich wollte nicht mehr dran denken. Ich hatte grade meine Gedanken so weit zum schweigen bringen können, da wollte ich nicht wieder in ein schwarzes Loch fallen. Somit dachte ich nicht weiter daran und versuchte auch sonst keinen richtigen Gedanken aufkommen zu lassen.

Ich ließ meinen Kopf wieder nach vorn sinken und legte ihn wieder auf Miguels Schulter. Meine Stirn drückte ich leicht gegen seine Halsbeuge und schluchzte leise. „Tu...“, versuchte ich meine Gedanken, die ich zuließ, in Worte zu fassen. Doch meine Stimme zitterte noch immer. Oder besser gesagt schon wieder. Noch immer fühlte sich mein Herz taub an. Nur der Schmerz war zu spüren. Zudem brannten meine Lungen. Meine Atmung wurde flacher, damit es nicht so schmerze. Miguel drückte mich, als er es bemerkte, leicht von sich und schaute mich ein wenig panisch an. Ich seufzte nur leicht, schnufte dann und wischte mir mit meinem Ärmel über die Augen.

„Tu mir das nie wieder an“, gab ich leise und stotternd von mir. „Nie wieder“, sagte ich nochmal leise und lies meinen Kopf wieder gegen Miguels Schulter sinken. Weinen machte müde und das merkte ich nun grade. Ich hatte meine Augen weiterhin geschlossen, da ich nicht wusste, das der Raum dunkel war. Riskieren wollte ich es jedoch auch nicht und nachsehen. Somit blieben meine Augen einfach zu und ich drückte mich leicht gegen Miguel.

Nach einigen Minuten wurde mir diese Haltung jedoch ein wenig unbequem und ich drückte Miguel ein wenig nach hinten, so das es ihn von den Füßen riss und setzte mich dann auf den Boden. Eher kniete ich mich und drückte mich dann wieder an Miguel. „Nie wieder“, kam nochmal leise von mir.
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